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Zertifiziert oder bewährt? - Eine Betrachtung zum Stand der Software-Anwendung
Energetische Optimierung, thermische Simulation, Feuchtebetrachtung, Energiepass

mit Anhang:
EG-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden [1], Auszüge

© DIMaGB.de, Autor: M. Bumann, 01.11.2004

Wird das Thema Software angesprochen, wenn es um die Energieeffizienz an Gebäuden geht, trifft immer wieder auf die landläufige Vorstellung, dass eine Software „zertifiziert“ bzw. „anerkannt“ sein muss, um praxistauglich zu sein. Anerkannt bedeutet hier wohl „staatlich anerkannt“, was sich bei Gesprächen oft darstellt. Dabei handelt es sich um Begriffe und Zuordnungen, die ohne weitere Verifizierung verwendet werden. Ein guter Schuss Zertifikatshörigkeit mag hier hinein spielen. Der Artikel soll die Grundlagen liefern, um die Thematik komplex zu betrachten.

Zusammenfassung

Die Zertifizierung so genannter EnEV-Software, wie sie von DIN CERTCO und Dena angeboten wird, ist nicht vorgeschrieben und ein reines Marketinginstrument. Die Normung hinkt trotz Novellierung, dem Stand der Kenntnisse weit hinterher. Deswegen und aufgrund der zahlreichen Vereinfachungen und Normierungen insbesondere in DIN 4108 gelangt man mit EnEV-Software zu ungenauen Ergebnissen, was offiziell toleriert wird. Von den Anforderungen der EU-Richtlinie zur Energieeffizienz bei Gebäuden ist man dabei weit entfernt. Praxisnahe Lösungen liefern dynamisch simulierende Programme, die nach den Gesetzen der Physik rechnen und das Gebäude komplex behandeln. Deren Leistungsfähigkeit liegt weit über EnEV-Niveau. Ein anerkanntes und bewährtes Programm stellt DK-solar von Delzer Kybernetik dar [siehe Info], mit dessen Ergebnissen die Grundlagen für die Genehmigung anspruchsvoller großer Projekte sowie Nachweise gem. KfW geliefert wurden. Das nach Baugenehmigung errichtete und hinsichtlich der vorberechneten Verbrauchswerte gut funktionierende Gebäude ist praktischer Maßstab für Funtionalität und Validierung.

Zertifizierung von EnEV-Software

Die DIN CERTCO Gesellschaft für Konformitätsbewertung mbH, Burggrafenstr. 6, D-10787 Berlin ist ein Unternehmen des DIN. Sie prüft Software nach der DIN ISO/IEC 12119 "Informationstechnik –Software-Erzeugnisse; Qualitätsanforderungen und Prüfbestimmungen", Kriterien sind

  • Absturzsicherheit
  • Datenverlust /-zerstörung
  • Endlosschleifen
  • Warnfunktionen
  • Erkennbarkeit laufender Funktionen
  • Rücknehmbarkeit (undo)
  • Konfigurationsanforderungen
  • Vollständige Produktbezeichnung
  • Installationsangaben

 Für EnEV-Software wurden „besondere Zertifizierungskriterien“ erarbeitet. Seit dem 1. November 2002 vergeben die dena und DIN CERTCO das Zertifizierungszeichen "DIN-Geprüft & dena". Den Anwendern verspricht man dadurch mehr Sicherheit bei der Ausstellung von Energiebedarfsausweisen bzw. Bereits bei der Auswahl der Software.

 Hinter dem Namen dena verbirgt sich die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), Chausseestr. 128a, D-10115 Berlin. Sie ist 505ige Tochter von KfW und Bund. Aufsichtsratsvorsitzender ist Herr Wolfgang Clement, Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Herr Hans W. Reich, Sprecher des Vorstands der KfW; Aufsichtsratsmitglieder sind die Herren Detlef Leinberger, Mitglied des Vorstands der KfW , Dr. Tessen von Heydebreck, Mitglied des Konzernvorstandes der Deutsche Bank AG, Dr. Manfred Stolpe, Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen und Jürgen Trittin, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Tätigkeitsschwerpunkte sind die Themen Energieeffiziente Gebäudesanierung, Energieeinsparverordnung 2002, Initialberatung und Energiepass.

 Ein wichtiges „besonderes Zertifizierungskriterium“ ist, dass die Berechnungen der DIN V 4108-6 und DIN V 4701-10 „hinreichend genau abgebildet“ werden. Hinsichtlich des vereinfachten bzw. des detaillierten Verfahrens nach EnEV wird die Software in A- und B-Level (Heizperioden- und Diagrammverfahren) unterschieden. Mit A-Level-Software kann man das Detaillierte Rechenverfahren anwenden mit Monatsbilanzverfahren nach DIN V 4108-6 und U-Wert Berechnung sowie detailliertes Rechenverfahren nach Abschnitt 5 DIN V 4701-10 für die Anlagentechnik. Das Heizperiodenverfahren sowie die Berechnung mehrerer Zonen werden als optional angesehen.

 Eine Verpflichtung zur Zertifizierung besteht nicht, es sind also reine Marketingmechanismen, die sich hier abspielen. Betrachtet man die zugrunde liegenden DIN 4108 und 4107 inhaltlich, tun sich berechtigte Fragen nach dem Nutzen solch eines Zertifikates auf. Aber wir leben auch im Zeitalter der Prüfsiegel und Zertifikate, so dass auch dieser Bereich abgedeckt sein muss.

 Energiebedarfsausweise nach EnEV

 Die Berechnungen nach DIN 4108 bzw. 4107 sind, trotz des immensen Aufwandes im Produzieren von Normen und Beiblättern, lediglich Näherungsberechnungen. 40% und mehr Abweichung zwischen berechneten und tatsächlichen Werten sind dabei völlig legitim. Der Laie mag sich die Frage stellen, ob hier nicht Aufwand und Nutzen in krassem Missverhältnis stehen – die Fachwelt akzeptiert diesen Stand mehrheitlich.

 Vorsorglich legt der Gesetzgeber angesichts dieses Dilemmas fest: Die Energiebedarfsausweise müssen in Abschnitt II folgenden Hinweis enthalten: „Die angegebenen Werte des Jahres-Primärenergiebedarfs und des Endenergiebedarfs sind vornehmlich für die überschlägig vergleichende Beurteilung von Gebäuden und Gebäudeentwürfen vorgesehen. Sie wurden auf der Grundlage von Planunterlagen ermittelt. Sie erlauben nur bedingt Rückschlüsse auf den tatsächlichen Energieverbrauch, weil der Berechnung dieser Werte auch normierte Randbedingungen etwa hinsichtlich des Klimas, der Heizdauer, der Innentemperaturen, des Luftwechsels, der solaren und internen Wärmegewinne und des Warmwasserbedarfs zugrunde liegen. …. Die Angaben beziehen sich auf Gebäude und sind nur bedingt auf einzelne Wohnungen oder Gebäudeteile übertragbar.“ [3]

 Eine „überschlägig vergleichende Beurteilung von Gebäuden“ sieht jedoch die EG nicht vor: demnach ist die „Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes“ die Energiemenge, die tatsächlich verbraucht oder veranschlagt wird, um den unterschiedlichen Erfordernissen im Rahmen der Standardnutzung des Gebäudes (u. a. etwa Heizung, Warmwasserbereitung, Kühlung, Lüftung und Beleuchtung) gerecht zu werden. Diese Energiemenge ist durch einen oder mehrere numerische Indikatoren darzustellen, die unter Berücksichtigung von Wärmedämmung, technischen Merkmalen und Installationskennwerten, Bauart und Lage in Bezug auf klimatische Aspekte, Sonnenexposition und Einwirkung der benachbarten Strukturen, Eigenenergieerzeugung und anderer Faktoren, einschließlich Innenraumklima, die den Energiebedarf beeinflussen, berechnet wurden;“ [1]

 Eigentlich geht es um tatsächliche Verbräuche, was auch sonst kann man als echten Maßstab anlegen? Diesen Ansatz versteht jeder und es ist anzunehmen, dass er auch allgemein anerkannt wird. Wirtschaftlichkeit muss nicht gesetzlich verordnet werden, oft ist ganz einfach der Geiz die Triebfeder sparsamen Handelns.

 Während das Parlament der Europäischen Union verlangt, numerische Indikatoren für 

  • Wärmedämmung
  • technische Merkmale und Installationskennwerte
  • Bauart und Lage
  • Bezug auf klimatische Aspekte
  • Sonnenexposition
  • Einwirkung der benachbarten Strukturen
  • Eigenenergieerzeugung
  • anderer Faktoren
  • Innenraumklima

 darzustellen, schwächt dies der deutsche Gesetzgeber ab, indem von vornherein normierte Randbedingungen für 

  • Klima
  • Heizdauer
  • Innentemperaturen
  • Luftwechsel
  • solare Wärmegewinne
  • interne Wärmegewinne
  • Warmwasserbedarf

 explizit in der Erklärung dafür herangezogen werden, dass „nur bedingt Rückschlüsse auf den tatsächlichen Energieverbrauch“ gezogen werden können. Insofern darf das in Artikel 1 der Richtlinie [4] formulierte Ziel als verfehlt zu betrachten sein, welches darin besteht „die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden in der Gemeinschaft unter Berücksichtigung der jeweiligen äußeren klimatischen und lokalen Bedingungen sowie der Anforderungen an das Innenraumklima und der Kostenwirksamkeit zu unterstützen.

 Selbst dem Laien dürfte es einleuchten, dass sich die Klimata von Freiburg, Köln, Berlin, Dresden und Hamburg deutlich unterscheiden. Angesichts der Tatsache, dass wir im Informationszeitalter leben und Datenbanken bzw. Dateien zu Klimawerten frei erhältlich sind, sollte eine diesbezügliche Differenzierung ein selbstverständlicher Beitrag sein, die bisherige Fehlerquote zu senken.

 Stand der Normung

Folgende fünf technische Normen und Vornormen wurden im Rahmen der EnEV-Novellierung [2] [3] mit ihrem neuen, aktuellen Publikationsdatum übernommen: 

  • DIN EN 832 : 2003-06 als Ersatz für DIN EN 832 : 1998-12,
  • DIN 4108-2 : 2003-07 als Ersatz für DIN 4108-2 : 2001-03,
  • DIN V 4108-6 : 2003-06 als Ersatz für DIN V 4108-6 : 2000-11,
  • DIN V 4701-10 : 2003-08 als Ersatz für DIN V 4701-10 : 2001-02,
  • DIN 4108 Beiblatt 2 : 2004-01 als Ersatz für die Fassung 1998-08.

 Nun könnte man meinen, dass sich im Laufe von 2-5 Jahren tief greifende Erkenntnisse durchgesetzt haben dürften. Doch leider sind die Novellierungen eher als marginal zu betrachten, wenngleich sich der Umfang beträchtlich entwickelt hat und weiter entwickelt. Der Beuth Verlag wird diese Entwicklung sicher anders betrachten als der Planer, der mit hohem finanziellen und organisatorischen Aufwand zusehen muss, aktuell zu bleiben. 

Ein wesentlicher Nachteil besteht im beharrlichen Beibehalten der U-Wert-Theorie bei gleichzeitigem Ausblenden des Faktors Feuchte. Das ist ein Zustand, der selbst beim Laien auf Unverständnis stoßen dürfte – der nasse Pullover wärmt (dämmt) nun mal nicht so gut wie der trockene. Das ist eine Tatsache wie der Umstand, dass das Speichervermögen der Außenwand ein wichtiger Faktor für die Energiebilanz ist. Solch ein Verhalten von Bauteilen lässt sich durch normierte Ignoranz aber nicht aus der Welt schaffen.

 Bereits in 2003 konnte man beim IBP Fraunhofer auf der Homepage nachlesen: "Ein bisher gängiges Verfahren zur Beurteilung des Feuchtehaushalts eines Bauteils durch Betrachtung des auftretenden Diffusionstransports stellt das Glaser-Verfahren nach DIN 4108 dar. Dieses Verfahren berücksichtigt jedoch weder den kapillaren Feuchtetransport im Bauteil, noch dessen sorptive Aufnahmefähigkeit für ausfallende Feuchte.

Ferner kann das mit stationären Zuständen unter pauschalen Blockrandbedingungen arbeitende Verfahren weder kurzfristige Ereignisse abbilden, noch Regen und Strahlung berücksichtigen. Es ist für die feuchteschutz- technische Bewertung eines Bauteils gedacht, nicht für die Simulation realistischer Wärme- und Feuchtezustände eines Bauteils unter standortbedingten Klimaverhältnissen."

 Zur Hygrothermik stellte man im IBP fest "Neben dem wärmetechnischen Verhalten eines Wandbauteils mit seinen Auswirkungen auf den Heizwärmeverbrauch ist auch sein feuchtetechnisches Verhalten zu beachten. Längerfristig erhöhter Feuchtegehalt im Bauteil kann zu Feuchteschäden führen, erhöhte Oberflächenfeuchte in Wohnräumen kann durch Schimmelbildung zu hygienischen und gesundheitlichen Problemen führen.

Dabei hängen feuchte- und wärmetechnisches Verhalten eines Bauteils eng zusammen: ein erhöhter Feuchtegehalt läßt Wärmeverluste steigen; die Temperaturverhältnisse im Bauteil beeinflussen den Feuchtetransport. Beide müssen daher gemeinsam in ihrer gegenseitigen Kopplung untersucht werden; dies ist Gegenstand der Hygrothermik."

 Diese fundamentalen Erkenntnisse sind bereits in [5] kolportiert worden, so dass der Verweis hierauf genügen soll. Leider haben diese Grundlagen noch keinen rechten Eingang in das deutsche Normenwesen finden können. Weiterhin wird so getan, als wäre der U-Wert keine veränderliche Größe. Dasselbe tut man übrigens dem sD-Wert an, obwohl dieser eine, im Labor bestimmte Wert, nur äußerst selten auftreten kann. Wie wird er bestimmt? Man nehme: eine Laborvorrichtung mit definierten Werten für Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck – und ermittle den Wert. Frage: wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit in der Praxis, dass diese Randbedingungen, noch dazu im stationären Zustand, eintreten? Und was nutzt ein sagenhaft niedriger Wert, wo er doch im Sommer nicht hoch genug sein kann, weil doch im Sommer das Dampfdruckgefälle nach innen gerichtet ist?

 Nichts gegen genormte Gewinde u. ä., aber am Beispiel der DIN 1045 wird deutlich, worin die Probleme der heutigen Zeit liegen. Die nachfolgenden Zitate aus [6] erklären sich selbst, so dass auf weitere Kommentare verzichtet werden darf.

 "Sie hat allerdings zahlreiche redaktionelle und inhaltliche Defekte, die teilweise einfach nur ärgerlich, teilweise aber fachlich nicht vertretbar sind."

"Form, Sprache, Aktualität: Von einer neuen Norm kann die Praxis eine ausgefeilte nahezu fehlerfreie Form in einer klar ausformulierten Sprache erwarten. Die umfangreichen Berichtigungen allein zur DIN 1045-1, die überwiegend Schreib- und Formulierungsfehler behandeln, stellen in dieser Hinsicht ein Armutszeugnis dar. Darüber hinaus ist es eine Zumutung, die Einarbeitung dieser Berichtigungen in den eigentlichen Normentext den Anwendern zu überlassen."

"Fachlicher Inhalt, Eindeutigkeit: Auch in diesem Bereich besteht hinsichtlich der Festlegungen und Formulierungen Nachholbedarf."

"Generell ist festzustellen, dass die neuen Normen die in der Praxis Tätigen zwingen, viele mühsam erarbeitete und gesammelte Erfahrungen über Bord zu werfen. Sie müssen in Zukunft in Zuständen denken (Tragfähigkeit statt Gebrauchszustand), die in der Praxis gar nicht vorkommen."

 Natürlich ist niemand unfehlbar, aber wenn Hinweise auf offensichtliche Fehler ignoriert werden und unliebsame Personen ausgebootet werden, darf man die Frage nach Ernsthaftigkeit und Legitimation stellen. Dazu noch zwei Zitate aus [6]:

"Im DIN-Ausschuss mitarbeiten: In der konstituierenden Sitzung DIN 277 erklärte dann der Geschäftsführer des DIN, dass alle Ausschussmitglieder, die nicht von einem das DIN finanziell unterstützenden Institut beziehungsweise Verband delegiert würden, für die Mitarbeit im Ausschuss zu den eigenen Aufwendungen zusätzlich 3.000 DM zu zahlen hätten."

"Eingaben an den Ausschuss: Am 6. November 2003 und am 16. Januar 2004 hat der Autor Anfragen und Anregungen zu den oben aufgeführten Argumenten neben weiteren an den Ausschuss und Beteiligte gerichtet. Bis zum Juni 2004 ist weder eine Eingangsbestätigung noch eine Antwort erfolgt. Auch das Aufzeigen offensichtlicher Fehler in einer Bemessungstabelle ... führte zu keiner Reaktion."

 Ähnlich verhält es sich im EnEV-Sektor. Das lässt sich recht transparent am Beispiel von [7] belegen. Die Vornorm DIN V 4108-6:1995-04wurde überarbeitet, um mit den Vorgaben der europäischen Normung Die überarbeitete Endversion der DIN V 4108-6:2000 enthält die Gleichung (23) für das im Vergleich zum vereinfachten Heizperiodenbilanzverfahren genauere Monatsbilanzverfahren. Für diese normierten Rechenverfahren wurden einige grundlegende Mängel eruiert, welche durch die Richtlinie eliminiert werden sollen.

 Das Ziel der Richtlinie wird damit angegeben, "ein eindeutiges, bauphysikalisch korrektes und verifiziertes Berechnungsverfahren für die solaren Energiegewinne durch diese Solarwände darzustellen." [7] Das bedeutet ganz offensichtlich, dass DIN 4108 und EN 238 kein eindeutiges und bauphysikalisch korrektes Berechnungsverfahren an die Hand gibt.

 Bemerkenswert ist die Erläuterung zur Rolle der massiven Außenwand in [7]: "Zur Speicherung der solaren Gewinne ist ein massives Wandbauteil raumseitig zum TWD-Bauteil sinnvoll. Die Wärme muss durch dieses Bauteil nach innen abgeführt werden, daher ist ein nicht allzu hoher Wärmewiderstand erwünscht. Auch sollte die Massivwand die Wärme gut speichern. Baustoffe ab 1200 kg/m3 werden daher empfohlen."

 Das Prinzip der TWD wird in [7] wie folgt beschriebnen: „Das Prinzip der TWD wird eingangs erläutert: "Mit dem Prinzip der transparent wärmegedämmten Solarwand lassen sich auf angenehme, komfortsteigernde Art solare Gewinne erzielen. Die wärmespeichernde Massivwand, die vorgesetzte oder aufgebrachte transparent- wärmegedämmte vorgesetzte Schale mit ihren Eigenschaften bestimmen den Wirkungsgrad dieser solaren Niedrigtemperaturheizung."

 Viele, auch Fachleute und Profis, sind der Auffassung, dass DIN-Vorschriften die gleiche Rangordnung haben, wie Gesetze oder Verordnungen und damit unmittelbar geltendes Recht seien. Zumindest seien sie als "Regeln der Technik" anzusehen. Das ist jedoch nicht der Fall, wie eine in [8] behandelte Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 30.09.1996 (Az: 4 B 175/96) zeigt.

 
Die Entscheidung hat folgende Leitsätze: "Die Auslegung von DIN-Vorschriften (hier: DIN 4261 Teil 1, Teil 2, Kleinkläranlagen) ist als solche keine Rechtsanwendung, sondern Tatsachenfeststellung. ...

DIN-Vorschriften können anerkannte "Regeln der Technik" im Sinne des § 18 b WHG sein, sind dies aber noch nicht ohne weiteres kraft ihrer Existenz; sie schließen den Rückgriff auf weitere Erkenntnismittel nicht aus." [8]

 Ein bloßes Berufen auf Normen entbindet den Planer nicht von seiner Haftung und Verantwortung. In [9] ist die Thematik „Regeln der Technik – Stand der Technik – Normen“ umfassend behandelt, so dass diese Ausführungen hier genügen sollen.

 Stand der Entwicklung der EnEV-Software

 Einen aktuellen Überblick zu EnEV-Software findet man bei [14]: 

  • BKI Energieplaner – Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern GmbH, Stuttgart
  • BMZ BAUTHERM - BMZ-Software GmbH, Tübingen
  • BuildDesk - BuildDesk GmbH, Gladbeck
  • DÄMMWERK - KERN ingenieurkonzepte, Berlin
  • DIN 4108 + DIN 4109    Ingenieurbüro M. Hanneforth, Essen
  • Das EID®-Software Paket - ZUB Zentrum für Umweltbewusstes Bauen e.V., Kassel
  • Der Energieberater Professional - Hottgenroth Software, Köln
  • EnEV 2002 - Wienerberger Ziegelindustrie GmbH, Hannover
  • EnEV-Wärme & Dampf - ROWA Soft GmbH, Wolnzach
  • enno-EnEV - ennovatis GmbH, Stuttgart
  • EVA Office - Ingenieurbüro Leuchter, Wuppertal
  • EVEBI - ENVISYS W. Schöffel, Weimar
  • HEAT2/3 - HEAT2/3 Beratung und Support,   Cottbus
  • NESA-Softwarelabor - Software für Niedrigenergie- und Solararchitektur entwickelt an der Univ. Siegen, Fachgebiet Bauphysik & Solarenergie
  • Quick-EnEV expert - Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften, Berlin

 Gemeinsam haben diese Programme, das es sich um statische Programme handelt, welche mit zahlreichen normierten Randbedingungen, Vereinfachungen und Koeffizienten arbeiten. Sie kosten nur einige bis einige hundert Euro und sie liefern nur Näherungsergebnisse. Mehr müssen und sollen sie wohl gem. EnEV auch nicht. 

Recherchiert man nach dem Suchwort „Zertifikat“, wird man bei [14] wie folgt fündig: 

  • EVEBI 5: KfW-CO2-Zertifikat (Suchergebnis "co2-zertifikat" bei www.kfw.de: "Es wurden 0 Treffer gefunden, die zu Ihrem Suchbegriff "co2-zertifikat" passen.")
  • RowaSoft EnEV Version 7.0: Energiesiegelausdruck (geprüftes Zertifikat für Gebäude, die 10 Prozent unter den Anforderungen der EnEV bleiben)
  • BuildDesk Expert 3.0: "Das Computer-Programm BuildDesk Expert 3.0 hat alle Level A Prüfungen erfolgreich durchlaufen und erhält daher als eines von bisher wenigen EnEV-Programmen das Level A Prüfsiegel des Deutschen Institutes für Normung"

 Soweit zum Thema Zertifizierung von EnEV-Software bei [14] als kompetente Quelle. Wer die anderen „bisher wenigen EnEV-Programme“ mit Prüfsiegel sind, mag recherchieren wer will, offensichtlich scheint dieser Status durch Seltenheit bestimmt zu sein.

Ergänzung vom 03.01.2005: *
Es gibt derzeit fünf zertifierte Software-Anbieter:

- ECOTECH Bauphysik & Energietechnik Software GmbH
- EID, Energiepass-Initiative Deutschland e. V.
- ennovatis GmbH
- Hottgenroth Software
- mh-software GmbH

Quelle: http://www.din-certco.de
unter "Zertifikatinhaber"->"Produkte"->"Informations- und Kommunikationstechnik"->"Informationstechnologie"->"Software EnEV Level A"

 Stand der Entwicklung bei Simulationssoftware

 „Soll eine optimierte Gesamtlösung für ein Gebäude erreicht werden, sind die beteiligten FachplanerInnen während des Planungsprozesses mit komplexen Entscheidungssituationen konfrontiert. Die getroffenen Entscheidungen sind ausschlaggebend dafür, inwieweit das bestehende technisch-wirtschaftliche Potential einer nachhaltigen Bauweise ausgeschöpft werden kann. Das Projekt im Rahmen der Task 23 soll zur Erschließung dieser Potentiale beitragen.“ [12]

 Die zitierte Publikation [12] erschien im Rahmen des österreichischen Beitrags der Task 23 der Internationalen Energieagentur (IEA) „Optimization of Solar Energy Use in Large Buildings“ im Programm Solar Heating and Cooling. Sie ist aus 2000 und man kam damals zu der Einschätzung: „Dynamische Simulationen werden zur Zeit nur von wenigen Energieplanern beherrscht und angeboten. Die verwendeten Rechenmodelle liegen nahe an den tatsächlichen physikalischen Prozessen und bilden den Zeitverlauf der thermischen Vorgänge innerhalb des Gebäudes ab.“

 Beachtlich sind die Ausführungen zu den Physikalischen Kenngrößen:

"Herzstück der Simulation sind die verwendeten Klimadaten, da sie die externen Energieeinflüsse definieren und damit die Basis der Berechnungen bilden. Man unterscheidet Stunden-, Monats- und Jahresmittelwerte. Die Aussagekraft der Klimadaten wird von den verwendeten Zeitschritten (Stunden, Monate, Jahre) bestimmt. ... Hinsichtlich ihrer Leistung unterscheiden sich Simulationsprogramme in der Art der Erfassung und Lösung der Problematik von Strahlungsaustausch und Wärmefluss zwischen Bauteilen. ... Ziel der Simulation schließlich ist das Behaglichkeitsempfinden. Mittels Simulation sollen die Bedingungen des Innenraums so gestaltet werden, dass dieser Zustand von den Menschen, die sich in den Räumen aufhalten, als möglichst behaglich wahrgenommen wird."

 
Die Grundlage für das dynamische Verfahren bilden nach [12] die physikalischen Zusammenhänge. Das Programm ist meistens in Form eines Paketes ausgebildet, das verschiedene Anwendungen bietet. Der Lösungsansatz ist nicht an Bauteilen festgemacht, sondern kann frei festgelegt werden. Das bedeutet das Loslösen von vorgegeben Bauteilgruppen und Kombinationsvarianten.

 In der Abhandlung wird unterschieden nach

  • statischen Programmen
  • modellorientierten Programme
  • dynamischen instationären Programmpakete

 Mit Stand 2000 führt [12] erläuternd folgende dynamisch rechnenden Programme auf: 

  • BLAST (Building Loads Analysis and System Thermodynamics), U.S. Army Construction Engineering Research Laboratory - USACERL
  • DOE-2 (Department of Energy), Lawrence Berkeley National Laboratory, Hirsch & Associates, Consultants Computation Bureau, Los Alamos National Laboratory, Argonne National Laboratory and University of Paris.
  • SUNCODE, SERIRES (SERI Residential Energy Software), Solar Energy Research Institut
  • DEROB-LTH (Dynamic Energy Response of Buildings), Technische Hochschule Lund
  • SMILE, TU Berlin, Institut für Energietechnik, GMD Forschungszentrum Informationstechnik GmbH
  • SHW (Solare Heizung und Warmwasser), Institut für Wärmetechnik, TU Graz
  • WAEBED, Institut für Hochbau, TU Wien
  • GEBA, Büro für Bauphysik, Schönberg am Kamp Wien,
  • Programmpaket TWDWI, Institut für Wärmetechnik, TU Graz
  • ENERGY 101, National Renewable Energy Laboratory (NREL), in Zusammenarbeit mit Lawrence Berkeley National Laboratory und Berkeley Solar Group
  • DK–SOLAR, Delzer Kybernetik, Ritterstr. 51, D-79541 Lörrach
  • TAS (Thermal Analysis Software), EDSL (Enviromental Design Solutions Limited)
  • TRNSYS 14.2. (A Transient System Simulation Programm), Solar Energy Laboratory, University of Wisconsin,
  • BSim2000, Danish Building Research Institute Horsholm
  • HELIOS-PC, EMPA, Dübendorf in der Schweiz
  • ANSYS/FLOTRAN, ANSYS, Inc., Canonsburg, PA

 Zu dem hervorragenden deutschen Programm DK-solar führt [12] aus: „DK-SOLAR ist ein dynamisches Simulationsprogramm für Gebäude mit verschiedenen Lüftungs- und Heizungskonzepten und thermische Solaranlagen. Zu den Besonderheiten in der Berechnung gehören Lösungsstrategien für Luftkollektoren und Hypokausten. Die Wechselwirkung einzelner Zonen wie Erdregister, Wintergärten, Pufferzonen, Kastenfenster oder weitere Anbauten mit den Kernzonen des Gebäudes können ebenfalls berücksichtigt werden. Vor jede beliebige Hüllfläche kann eine Hypokauste gesetzt werden. Hervorzuheben ist die Möglichkeit einer dynamischen Berechnung der Kühllast.“

 Inzwischen schreiben wir 2004 und DK-solar wurde erfolgreich eingesetzt und weiterentwickelt. Einen guten und aktuellen Überblick kann man sich bei [13] verschaffen.

 Aktueller Überblick zu hierzulande eingesetzter Simulationssoftware

zur energetischen Gebäudesimulation (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): 

  • DK-solar, Delzer Kybernetik
  • FHT Stuttgart, Studiengang Bauphysik
    • TRNSYS Gebäude- und Anlagensimulation
    • THERMPLAN Simulationsprogramm zur Energieeinsparverordnung EnEV
    • SUNCODE / ESP / HTP2 Gebäudesimulationsprogramme
    • TSOL Auslegung und Simulation von thermischen Solaranlagen
    • PVSOL Auslegung und Simulation von Photovoltaikanlagen
    • COPRA Dimensionierung und Wirtschaftlichkeitsberechnung von Energie-versorgungsanlagen mit BHKW-Technik
    • HELENA Programm zur Berechnung des Jahresheizwärmebedarfs
    • Energiepass_WiSo 2.0  Thermisches Gebäude- Simulationsprogramm (MS-Excel)
    • COMIS Programm zur Berechnung von multizonalem Luftwechsel
    • PC-Programm W 12: Energiebedarf Gebäude VDI 2067, 10+11, Version 3.04, Solar-Computer GmbH Göttingen
  • SMILE - die dynamische Simulationsumgebung (Scientific Simulation Environment) und netSim - 3D-Visualisierung , dezentral gbr, Berlin und München
  • TAS Building Designer, Thermische energetische Gebäudesimulation, ifes GmbH, Frechen
  • NESA-Software (Software-Labor) II, Universität-Gesamthochschule Siegen, FG Bauphysik & Solarenergie
  • MATLAB-Simulink®, The MathWorks, Inc., Natick, MA
  • EnergyPlus, EnergyPlus is a trademark of the United States Department of Energy, Energetische Optimierung von Gebäuden, Anlagensimulation
  • CARNOT, CARNOT AG, Frankfurt am Main

 Nur Bauteil bezogen rechnende Programme:

 IBP Holzkirchen

 WUFI® (Wärme und Feuchte instationär) ist ein "menügesteuertes PC-Programmpaket zur realitätsnahen instationären Berechnung des gekoppelten ein- und zweidimensionalen Wärme- und Feuchtetransports in mehrschichtigen Bauteilen unter natürlichen Klimabedingungen. Es basiert auf den neuesten Erkenntnissen in Bezug auf Dampfdiffusion und Flüssigtransport."

 Institut für Bauklimatik, TU Dresden (Prof Häupl)

 DELPHIN4 ist "ein Simulationsprogramm, welches den gekoppelten Wärme-, Feuchtigkeits-, Luft- und Salztransport in porösen Baustoffen berechnen kann. Es wird zur Optimierung von Baustoffen und für bauphysikalische Simulationen eingesetzt. Das Programm wurde unter anderem für die Simulation von Bauteilen bei der Frauenkirche zu Dresden und für die Weiterentwicklung des Dämmstoffes Calciumsilikat verwendet."

 COND2002 ist "ein Programm zur hygrothermischen Beurteilung von Umfassungskonstruktionen. Es basiert auf einem, dem Glaserschema ähnlichen analytischen Lösungsalgorithmus, jedoch erweitert um den Flüssigwassertransport innerhalb der Konstruktion. Damit lassen sich im Gegensatz zum Glaserschema Aussagen über die Ausbreitung des inneren Kondensats treffen. Dies erlaubt eine realistischere Beurteilung vieler Konstruktionen.

Cond 2002 ist eine Weiterentwicklung des bekannten COND für DOS. "

Anforderungen der KfW

 Die Rolle der KW als Ausreicherin von zinsgünstigen Darlehen ist hinlänglich bekannt. Auf der Internetseite www.KfW.de kann man sich über die aktuellen Förderbedingungen u.a. auch im Bausektor informieren.

 Ein wichtiges Förderkriterium ist der CO2-Ausstoss, der bekanntlich vom Heizenergiebedarf und vom Heizsystem abhängt. Nach [10] werden die CO2-Emissionen mithilfe eines Faktors für die spezifischen CO2-Emissionen (in kg CO2/kWh) für die jeweiligen Energieträger / Heizsysteme gem. Anlage B der Programmrichtlinie berechnet. Der Faktor beträgt für eine Steinkohleheizung 0,69, für eine Gasheizung 0,30 usw. Die im Maßnahmenpaket 4 des KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramms geforderte CO2-Reduktion von 40 kg pro m2 und Jahr muss überschritten werden, damit eine Förderung aus dem Programm möglich wird.

 Dass mit den Faktoren erhebliche Vereinfachungen, sprich Fehlerquellen verbunden sind, darf man mit Sicherheit vermuten. Diese ergänzen sich dann mit den Vereinfachungen aus der EnEV-Berechnung. Mit einer entsprechenden Formulierung in [11] hat man auch bei der KfW dem Rechnung getragen:

„Bei der Berechnung des Primärenergiebedarfs und von HT’ gelten ausschließlich die Randbedingungen der DIN V 4108-6, Anhang D, Tabelle D3. Es ist darauf hinzuweisen, dass der Nachweis nach EnEV keine Berechnung des zu erwartenden Verbrauchs ist, sondern die Ermittlung des Energiebedarfs unter Normbedingungen.“

 Als Sachverständige werden seit dem 01.11.2004 anerkannt:

  • im Bundesprogramm "Vor-Ort-Beratung" zugelassene Energieberater
  • von der Verbraucherzentrale Bundesverband zugelassene Energieberater
  • nach Landesrecht berechtigte Personen für die Aufstellung/Prüfung der Nachweise nach der EnEV.

 Landesrecht bedeutet hierbei die jeweilige Landesbauordnung mit ihren Ausführungsbestimmungen, z.B. der Bauvorlagenverordnung. Da ein nach Landesrecht Bauvorlageberechtigter für die Aufstellung der Nachweise nach der EnEV berechtigt ist, ist er als sachverständiger anerkannt. Die Bauvorlageberechtigung ist urkundlich und durch Eintrag in der jeweiligen Kammerliste nachzuweisen.

 Für die Herangehensweise bei der energetischen Sanierung im Bestand wurde eigens ein Leitfaden [15] erarbeitet. Die Schwerpunktthemen des mit Mitteln des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (Aktenzeichen: Z 6 - 5.4.00-11 / II 13 - 80 01 00 -11) geförderten Forschungsberichtes lauteten: 

  • Wie können die wärmeschutztechnischen Kennwerte von Materialien (Wärmeleitfähigkeiten) bzw. Konstruktionen (Wärmedurchgangskoeffizienten) vor Ort bestimmt werden?
  • Welche zerstörungsfreie Methoden sind hierfür prinzipiell geeignet?
  • Welche Methoden sind einfach handhabbar und führen zu ausreichender Genauigkeit bei der energetischen Bewertung von Gebäuden?
  • Wie und mit welcher Genauigkeit sind die geometrischen Größen wärmeübertragende Hüllfläche und beheiztes Gebäudevolumen zu ermitteln?
  • Welchen Einfluss haben Fehler in den Eingangsgrößen auf die Einschätzung von energetischen Verbesserungsmaßnahmen am Gebäude?

 Konsequenterweise beruhen Berechnungen für den baulichen Teil auf dem im Referentenentwurf zur Energieeinsparverordnung (EnEV) vom 07.03.2001 geforderten Monatsbilanzverfahren nach DIN EN 832:1998-12 und DIN V 4108-6:2000-11. und in „2.4.2 Wärmetechnische Kenndaten“ erschöpft sich die Betrachtung [15] mit

  • dem Wärmedurchgangskoeffizienten U
  • der Wärmeleitfähigkeit l

 Als etwa nachteilig darf man es ansehen, dass der Begriff „Emission“ lediglich mit dem CO2-Ausstoss im Vorwort und sonst nur mit Messfehlern bei der Thermografie in Verbindung gebracht wird. Die Begriffe „Entfeuchtung“, „Bauteilfeuchte“, „Ausgleichsfeuchte“ und „Sorption“ kommen in dem Forschungsbericht nicht vor. Mit dem begriff „Feuchte“ befasst er sich in diesen wesentlichen Passagen:

 „Die Wärmeleitfähigkeit l ist eine Stoffkenngröße. Sie ist maßgeblich von der Dichte und Struktur, in geringerem Umfang auch von der Temperatur und Feuchte des Stoffes abhängig.“ [15, S. 13]

 „Wegen der möglichen Streuung der Bauteilabmessungen (z.B. Schichtdicken, Abstände) und Unkenntnis über den Feuchtegehalt der Baustoffe sind die anhand der angegebenen Wärmeleitfähigkeiten errechneten U-Werte für ein älteres Bauteil in jedem Falle als Näherungsgröße zu betrachten.“ [15, S. 35]

 In [31] ist der Wert der Wärmeleitzahl, den Bauverhältnissen nach, gesondert angegeben. Je nach Feuchtegehalt wird dabei in sehr günstige, in mittlere und in ungünstige Bauverhältnisse unterteilt. In Tabelle 9 sind, soweit in [31] angegeben, die Werte für mittlere Verhältnisse übernommen. Die Streuung der angegebenen Wärmeleitfähigkeit liegt nach oben (ungünstige Bauverhältnisse) und unten (günstige Bauverhältnisse) bei bis zu 25 %.“ [15, S. 35] Dabei ist als die Literaturquelle angegeben: Bruckmayer, F. Der praktische Wärme- und Schallschutz im Hochbau. Franz Deuticke, Wien, 1949.

 Angesichts dieser fundamentalen Kenntnisse stellt sich zwangsläufig die Frage, warum dem Faktor Feuchte in DIN 4108 so wenig Beachtung entgegen gebracht wird. Bedenkt man, dass 25% nach oben und nach unten eine Streuung von 50% ergeben, was man 1949 in Buchform als gesicherte Kenntnisse präsentierte, kommen einem die normierten U-Werte nach EnEV doch schon eher gewagt vor. Wenn l eine veränderliche Stoffkenngröße ist, dann ist der U-Wert eine veränderliche Größe. Bereits eine Zunahme der Bauteilfeuchte um 4% halbiert die Dämmwirkung eines Baustoffes.

 Von der KfW wird z.B. das Programm DK-solar anerkannt, weil die relevanten Ergebnisse wie CO2-Emission ausgewiesen werden. Zudem ist die Praxisnähe, d.h. die geringe Abweichung zwischen berechneten und tatsächlichen Werten, für den Bauherrn und den Energieberater vorteilhaft.

Ergänzung vom 03.10.2005: Seit Anfang November vergangenen Jahres besteht die KfW darauf, dass die CO2-Einsparung nur noch mit der im Merkblatt dargestellten Berechnung (Heizwärmebedarf multipliziert mit den vorgegebenen f-Faktor) ermittelt werden darf. Ausführliche Berechnungen z.B. nach DIN V 4701-10 sind nicht mehr zulässig. *

Literatur

 [1]           DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION: RICHTLINIE
                2002/91/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 16. Dezember 2002
                über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

 [2]           Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden
                (Energieeinsparverordnung - EnEV) vom 16. November 2001 (BGBl. I S. 3085), geändert durch
                Artikel 296 der Verordnung vom 25. November 2003 (BGBl. I S. 2304, 2341)

 [3]           Bundesrepublik Deutschland, der Bundeskanzler: Erste Verordnung zur Änderung der  Energieeinspar-
                -verordnung, (Verordnung der Bundesregierung, der Entwurf wurde von der Bundesregierung
                am 26. Mai 2004 beschlossen, der Bundesrat stimmte in seiner 802. Sitzung am 09.07.2004 zu

 [4]           Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und Bundesministerium für Verkehr, Bau- und
                Wohnungswesen: Allgemeine Verwaltungsvorschrift zu § 13 der Energieeinsparverordnung
                (AVV Energiebedarfsausweis) vom 7. März 2002

 [5]           Bumann, M:: Wärmetransporte in Außenbauteilen - mikroskopisch und komplex betrachtet, Berlin,
                09.2004, www.DIMaGB.de, Infobereich BAUEN IM BESTAND,
                http://www.dimagb.de/info/baualt/eneinspod.html

 [6]           Dieter Vogelsang: Bedingt tauglich, Neue Serie über die fachlichen Defekte der neuen DIN 1045,
                erschienen in Deutsches Ingenieurblatt, Ausgabe Juli/August 2004;
                Auszug nachzulesen bei www.DIMaGB.de , Infobereich GESETZE
                http://www.dimagb.de/info/gesetz/dinnorm1.html

 [7]           Dr. Werner J. Platzer, Fachverbandes Transparente Wärmedämmung e.V:: Richtlinie "Bestimmung des
                solaren Energiegewinns durch Massivwände mit transparenter Wärmedämmung", 2. überarbeitete
                Auflage, Juni 2000, Artikel hierzu: nachzulesen bei www.DIMaGB.de , Infobereich GESETZE,
                http://www.dimagb.de/info/gesetz/dinnorm1.html

 [8]           Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 30.09.1996, Az: 4 B 175/96,
                behandelt in Die Öffentliche Verwaltung, 1997, Seite 303

 [9]           Regeln der Technik – Stand der Technik – Normen, eine Artikelzusammenstellung unter
                www.DIMaGB.de/info/gesetz/dinnorm1.html

 [10]         KfW Bankengruppe: Schema zur Berechnung der Höhe der CO2-Einsparung

 [11]         KfW, Erläuterungen und Anforderungen zum Niedrigenergiehaussstandard im Bestand
                (Neubau-Niveaus nach EnEV)

 [12]         C. Gummerer, W. Tritthart, S. Geissler, im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und
                Verkehr: EDV-unterstützte Gebäudesimulation, Optimization of Solar Energy Use in Large Buildings,
                Herausgeber und Medieninhaber: Österreichisches Ökologie-Institut für Angewandte Umwelt-
                forschung, Wien, 30.03.2000

 [13]         Software für Architekten und Ingenieure; www.DIMaGB.de, Infobereich INGENIEURLEISTUNGEN,
                http://www.dimagb.de/info/ing/softw01.htm

 [14]         EnEV-online.de: EnEV-Software, http://www.enev-online.de/software/software/index.htm

 [15]         Prof. Dr.-Ing. Gerd Hauser: Leitfaden für die Vor-Ort-Beratung bei Sanierungsvorhaben, Hilfestellung zur
                Beurteilung baulicher Aspekte, Universität Gesamthochschule Kassel, Fachgebiet Bauphysik, Juni
                2001

*              Ich danke Hr. Dr.-Ing. Roland Kopetzky von der ennovatis GmbH in Stuttgart für die Informationen
               zu den Ergänzungen vom 03.01.2005.

Appendix

 EG-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden [1], Auszüge

 Die "Richtlinie 2002/91/EG Des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 16. Dezember 2002 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden" ist von allen Mitgliedsstaaten bis spätestens zum 4. Januar 2006 in nationale Rechtsvorschriften umzusetzen; für einige Verpflichtungen der Richtlinie gelten unter bestimmten Voraussetzungen verlängerte Umsetzungsfristen.

 Die Richtlinie der EU-Kommission sieht, mit dem Ziel einer Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden, als Aufträge an die Mitgliedstaaten u. a. vor:

  • Schaffung von integrativen Bewertungsregeln für Gebäude durch die Mitgliedsstaaten, die auch eine Bewertung der CO2-Emissionen beinhalten können.
  • Energiebedarfs-Grenzwerten für Neubauten
  • Vorgabe zur Nutzung erneuerbarer Energien für große neue Gebäude
  • Energiebedarfs-Grenzwerten für umfassend renovierte große Gebäude
  • Energiezertifizierung in Form von Energieausweisen für alle Gebäude zur allgemeinen Einsicht
  • Regelmäßige Überprüfung der Effizienz von Wärme- oder Kälteerzeugern

 Aus den Gründen (Auszüge):

 (6) Der Wohn- und der Tertiärsektor, der zum größten Teil aus Gebäuden besteht, ist für über 40 % des Endenergieverbrauchs in der Gemeinschaft verantwortlich; da dieser Sektor in Expansion begriffen ist, werden auch sein Energieverbrauch und somit seine Kohlendioxidemissionen steigen.

 (9) Bei Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden sollte den klimatischen und lokalen Bedingungen sowie dem Innenraumklima und der Kostenwirksamkeit Rechnung getragen werden.

 (10) Die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden sollte nach einer Methode berechnet werden, die regional differenziert werden kann und bei der zusätzlich zur Wärmedämmung auch andere Faktoren von wachsender Bedeutung einbezogen werden.

 (12) Gebäude haben Auswirkungen auf den langfristigen Energieverbrauch; daher sollten neue Gebäude bestimmten Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz genügen, die auf die klimatischen Verhältnisse vor Ort zugeschnitten sind. In diesem Zusammenhang sollten bewährte Verfahren auf eine optimale Nutzung der Faktoren ausgerichtet werden, die zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Bedeutung sind.

 (13) Auch größere Renovierungen bestehender Gebäude ab einer bestimmten Größe sollten als Gelegenheit für kosteneffektive Maßnahmen zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz betrachtet werden.

 (14) Die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz eines bestehenden Gebäudes … könnte sich aber auf die Teile beschränken, die am wichtigsten für die Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes und kosteneffizient sind.

 (16) Die Erstellung von Energieausweisen kann durch Programme unterstützt werden, mit denen ein gerechter Zugang zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz erleichtert werden soll. ... Soweit möglich, sollte der Energieausweis eine Beschreibung der tatsächlichen Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes enthalten; er kann entsprechend überarbeitet werden....

Außerdem dürfte die Angabe der offiziell empfohlenen Raumtemperaturen zusammen mit der tatsächlich gemessenen Temperatur einem ineffizienten Betrieb von Heizsystemen, Klima- und Belüftungsanlagen vorbeugen. Dies sollte dazu beitragen, die Verschwendung von Energie zu vermeiden und ein angenehmes Raumklima (thermische Behaglichkeit) im Verhältnis zur jeweiligen Außentemperatur zu gewährleisten.

 (17) Die Mitgliedstaaten können auch andere, nicht in dieser Richtlinie vorgesehene Instrumente/Maßnahmen zur Förderung der Verbesserung der Energieeffizienz anwenden. Die Mitgliedstaaten sollten gutes Energiemanagement unter Berücksichtigung der Intensität der Gebäudenutzung fördern.

 (18) In den letzten Jahren ist eine zunehmende Verwendung von Klimaanlagen in den südlichen Ländern Europas zu verzeichnen. Dies führt zu großen Problemen bei den Spitzenlastzeiten in den Ländern mit der Folge, dass die Stromkosten steigen und die Energiebilanz dieser Länder beeinträchtigt wird. Vorrang sollte Strategien eingeräumt werden, die zur Verbesserung des thermischen Verhaltens der Gebäude in der Sommerperiode beitragen.

Weiterzuentwickeln sind hierzu die Techniken der passiven Kühlung und insbesondere jene Techniken, die zur Verbesserung der Qualität des Raumklimas sowie zur Verbesserung des Mikroklimas in der Umgebung von Gebäuden beitragen.

 (21) ...die detaillierte Umsetzung sollte jedoch den Mitgliedstaaten überlassen bleiben, um jedem Mitgliedstaat die Möglichkeit zu geben, entsprechend seiner jeweiligen Situation das optimale System zu wählen.

 (22) Es sollten entsprechende Vorkehrungen getroffen werden, damit die Berechnungsmethode rasch angepasst werden kann und die Mitgliedstaaten die Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden regelmäßig im Hinblick auf den technischen Fortschritt, unter anderem in Bezug auf die Dämmeigenschaften (oder Qualität) der Baumaterialien, und künftige Entwicklungen der Normung überprüfen können.

 Artikel 1: Ziel

 Ziel dieser Richtlinie ist es, die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden in der Gemeinschaft unter Berücksichtigung der jeweiligen äußeren klimatischen und lokalen Bedingungen sowie der Anforderungen an das Innenraumklima und der Kostenwirksamkeit zu unterstützen.

 Artikel 2: Begriffsbestimmungen

 2. „Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes“ die Energiemenge, die tatsächlich verbraucht oder veranschlagt wird, um den unterschiedlichen Erfordernissen im Rahmen der Standardnutzung des Gebäudes (u. a. etwa Heizung, Warmwasserbereitung, Kühlung, Lüftung und Beleuchtung) gerecht zu werden. Diese Energiemenge ist durch einen oder mehrere numerische Indikatoren darzustellen, die unter Berücksichtigung von Wärmedämmung, technischen Merkmalen und Installationskennwerten, Bauart und Lage in Bezug auf klimatische Aspekte, Sonnenexposition und Einwirkung der benachbarten Strukturen, Eigenenergieerzeugung und anderer Faktoren, einschließlich Innenraumklima, die den Energiebedarf beeinflussen, berechnet wurden;

 Artikel 12 Information

 Die Mitgliedstaaten können die erforderlichen Maßnahmen treffen, um die Nutzer von Gebäuden über die verschiedenen Methoden und praktischen Verfahren zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz zu informieren.

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