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Toxikologische Warnung in der Nanotechnologie
Langfristige Folgen können Auswirkungen wie Asbest aufweisen

Vom 02. bis 03. Mai wurden auf der Konferenz "Nanoparticles for European Industry" http://www.nano.org.uk in London Fragen zur Herstellung, Charakter und toxikologische Folgen von Produkten der Nanotechnologie erörtert. Bislang steht die Forschung am Anfang, Schäden für die Gesundheit sind noch unbekannt. Experten warnen aber vor gesundheitlichen Folgen ungeahnten Ausmaßes, ähnlich wie bei Asbest. Es bestehe erheblicher Forschungsbedarf, so die Forscher.

"Es gibt keine vollständige Marktübersicht mit nanotechnologisch veränderten Produkten" so Thorsten Wiegers, Pressesprecher des Bundesinstitut für Risikobewertung http://www.bfr.bund.de/, im Gespräch mit pressetext. Derzeit sei laut Wiegers noch nicht klar, ob Produkte, bei denen Nanotechnologie eingesetzt werden, der Gesundheit schaden. Der Einsatz von Nanomaterialien in Verbraucherprodukten ist nicht speziell gesetzlich geregelt, so Wiegers weiter. Produkte mit Nanopartikeln müssen momentan nicht gekennzeichnet werden.

Angewendet wird diese Technologie bereits in vielen Produkten des Alltags, beispielsweise als Schutzschicht für Haushaltsgeräte, Brillenoberflächen und Automobillackierungen. Nanotechnologie bezeichnet die kontrollierte Veränderung von Atomen und Molekülen. Dadurch entstehen Materialien mit verbesserten Eigenschaften wie etwa Kratzfestigkeit, Transparenz, Leitfähigkeit und Festigkeit. Anwendung findet diese Technologie in der Produktion von Wandfarben, Fenstersprays, Sonnencremes, Kaugummis und Tabletten. 2005 betrug die Förderung der Nanotechnologie in Deutschland mit Bundesmittel 298 Mio. Euro. In nahezu allen High-Tech-Branchen wird ein Innovationsschub erwartet. (Ende)

Aussender: pressetext.austria
06.05.2006

Nanotechnologie, Umwelt- und Gesundheitsschutz

Auf der Tagung des Veranstalters "econsense" am 10. Mai 2006 in Berlin zum Thema "Nanotechnologie: Chancen nutzen – Risiken managen" wies Dr. Uwe Lahl auf die gegenwärtig gegebenen Erkenntnislücken auf dem Feld der Risikoanalyse nanotechnologischer Produkte hin.

Das Thema Regelungsnotwendigkeiten würde sich momentan nicht stellen, weil die grundlegenden Bewertungsmethoden für nanoskalierte Substanzen fehlen würden. Daher wäre man in den nächsten Jahren sehr darauf angewiesen, die Entwicklungen staatlicherseits zu beobachten. Er machte den Vorschlag, gerade mit Blick auf die mittelständisch strukturierte Wirtschaft, über die Ausgestaltung eines "code of practice" nachzudenken.

BMU, 31.05.2006

Wirkung von Nanoteilchen auf Zellen
Forscher starten gesundheitliche Untersuchungen von Nanopartikeln

Wissenschaftler untersuchen Wirkung von Nanopartikeln auf Zellen (Bild: ikts.fraunhofer.de)

Ein Forscherteam des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Dresden http://www.ikts.fraunhofer.de, der TU Dresden http://www.tu-dresden.de und dem Umweltforschungszentrum UFZ Leipzig http://www.ufz.de startet das Forschungsprojekt INOS. Ziel des Projekt des Bundesforschungsministeriums ist es, die kurz- und langfristigen Auswirkungen von Nanopartikeln auf Gesundheit und Umwelt zu untersuchen. Bislang sind die gesundheitlichen Folgen der Nanotechnologie noch unerforscht und unbekannt (pressetext berichtete http://www.pte.at/pte.mc?pte=060506002 ).

Von den Forschern werden künstliche Nanopartikel wie beispielsweise Wolframcarbid, Platin sowie Kohlenstoff-Nanoröhren mit Oxid- oder organischen Schichten umhüllt und geprüft. In Wechselwirkung mit Wasser und Zellen können die Schutzhüllen beeinflusst werden. Die Wissenschaftler untersuchen die Nanoteilchen mit und ohne Schutzhülle sowie einzeln und als Agglomerate in Zellkulturen. Dadurch soll herausgefunden werden, wie leicht die Partikel in Haut, Lunge, Darm oder Nervensystem gelangen. Außerdem soll erforscht werden, ob Nanopartikel das Erbgut schädigen oder das Immunsystem beeinflussen.

In den bisher wenig vorhandenen Forschungsergebnissen gibt es viele Widersprüche, da die genaue Charakterisierung der Partikel fehlt, so die Forscher. An diesem Punkt wollen die Wissenschaftler nun ansetzen. Die Ergebnisse werden in der Datenbank http://www.nanotox.de veröffentlicht. Dort werden zukünftig Informationen über das Verhalten von Nanopartikeln in biologischen Systemen und deren eventuelles Gefährdungspotenzial publiziert. (Ende)

Aussender: pressetext.deutschland
06.06.2006

Wie sicher ist »Nano«?

Nano-Kosmetik, Nano-Farbe, Nano-Autowäsche: »Nano« ist längst ein Markt. 900 Millionen US-Dollar sollen 2005 mit Nanopartikeln umgesetzt worden sein. Über ihre kurz- und langfristigen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt ist bisher nicht allzuviel bekannt.

Nanopartikel stecken heute schon in vielen Produkten: in Kosmetik, in Farben oder in Reifen. Sogar Autopflegemittel werben mit den winzigen Teilchen. Wie sie auf die Umwelt und den menschlichen Organismus wirken ist bisher allerdings wenig erforscht. INOS, ein Forschungsprojekt des Bundesforschungsministeriums zur »Identifizierung und Bewertung von Gesundheits- und Umweltrisiken von technischen nanoskaligen Partikeln« soll diese Fragen jetzt klären. An dem Projekt ist auch das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Dresden beteiligt. »Uns kommen langjährige Erfahrungen mit Pulvern im Nanometermaßstab zu Gute«, berichtet Projektleiter Dr. Volkmar Richter vom IKTS.

Die Dresdner Forscher werden jetzt künstliche Nanopartikel untersuchen, die von Projektpartnern hergestellt und für technische Zwecke bereits eingesetzt werden. Darunter sind Hartstoffe wie Wolframcarbid, Metalle wie Platin sowie Kohlenstoff-Nanoröhrchen. Sie werden am IKTS mit Oxid- oder organischen Schichten umhüllt – solche Schichten entstehen bei der Verarbeitung oder werden gezielt aufgebracht, um die Eigenschaften zu modifizieren. Diese Schutzhüllen können jedoch die Wechselwirkung mit Wasser und Zellen beeinflussen. Die Wissenschaftler untersuchen die Nanoteilchen – mit und ohne Schutzhüllen, einzeln und als Agglomerate – in Zellkulturen. Dadurch wollen sie herausfinden, wie leicht die Partikel in die Haut gelangen, in Lunge, Darm oder Nervensystem. Schädigen sie das Erbgut oder beeinflussen sie das Immunsystem? Die Antworten auf diese Fragen sind derzeit noch offen. Es gibt nur wenige Forschungsergebnisse, und die sind widersprüchlich. »Das ist nicht erstaunlich, häufig fehlt in den Veröffentlichungen die genaue Charakterisierung der Partikel«, beklagt Volkmar Richter. Genau das wollen die IKTS-Forscher mit INOS nachholen. Ohne Tierversuche sollen gemeinsam mit der TU Dresden und dem Umweltforschungszentrum (UFZ) Leipzig Kenntnisse über die Wirkung von Nanoteilchen auf Zellen gewonnen werden.

Die Ergebnisse machen die Forscher in einer Datenbank öffentlich zugänglich. Auf der Website »http://www.nanotox.de« werden sich alle, die Nanopartikel herstellen, verarbeiten oder nutzen, über deren Verhalten in biologischen Systemen und deren eventuelles Gefährdungspotenzial informieren können. Nach Abschluss des Projekts ist auch ein akkreditiertes Labor geplant, das vor allem kleinen und mittelständischen Betrieben als Ansprechpartner dienen und weitere Analysen von Nanopartikeln vornehmen soll.

Fraunhofer Mediendienst
6-2006-Thema6


Kommentar:
(06.2006)
Bedeutet das Fazit "erst mal fördern und anwenden - später mal drüber nachdenken, ob gesundheitliche Risiken bestehen könnten"?


Ergänzung:
(10.2006)
Ganz offensichtlich hat sich die Vermutung bestätigt: zunächst hat die Bundesregierung Millionen in die Forschung und Entwicklung irgendwelchen Nano-Zeugs gesteckt, ohne gesundheitliche Auswirkungen zu erforschen bzw. diese Forschung zu verlangen. Das wäre wohl zu viel an Verbraucherschutz. Offensichtlich bekommt man nun nach ein paar Jahren doch kalte Füße und lässt nun das Umweltbundesamt orakeln, wie uns die Pressemeldung des UBA vom 21.20.2009 zeigt. [Kommentare von DIMaGB.de]


Nanotechnik für Mensch und Umwelt – Chancen fördern und Risiken mindern
Umweltbundesamt informiert zu umweltrelevanten Aspekten

Nanotechnik gewinnt bei der Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen zunehmend an Bedeutung. Nanotechnisch optimierte Kunststoffe können etwa das Gewicht bei Autos oder Flugzeugen senken und somit helfen, Treibstoff zu sparen. Neue, nanotechnisch optimierte Lampen - so genannte Licht emittierende Dioden (LED) - haben eine hohe Lebensdauer, wandeln den elektrischen Strom effizienter in Licht um und sparen somit Energie. Dies sind nur zwei Beispiele aus einer rasch wachsenden Zahl von Produkten, die auf den Markt kommen und sich vermutlich positiv auf Umwelt und Wirtschaft auswirken. Der zunehmende Einsatz synthetischer Nanomaterialien in Produkten führt jedoch auch zu einem vermehrten Eintrag dieser Materialien in die Umweltmedien Boden, Wasser und Luft. Die Wirkungen der Nanomaterialien in der Umwelt und mögliche gesundheitliche Risiken für den Menschen sind derzeit noch unzureichend erforscht. [Siehe weiter oben: so weit waren wir 2006 schon. Da hat sich in den letzten 3 Jahren nichts getan außer etwas Bla-bla.] Das Umweltbundesamt (UBA) fasst in einem Hintergrundpapier relevante Aspekte über Umweltentlastungspotentiale zusammen, benennt Risiken für Mensch und Umwelt und formuliert Handlungsempfehlungen.

Bei der Nanotechnik handelt es sich um die gezielte Herstellung und Anwendung von Prozessen und Nanomaterialien, die aus abgrenzbaren strukturellen Bestandteilen in der Größenordnung von 100 Nanometer (1 nm = 10-9 m) oder weniger in mindestens einer Dimension bestehen, also mehr als 1.000-mal kleiner als der Durchmesser eines Menschenhaares. In diesem Größenbereich ändern sich die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Materialien. Dies kann in vielfältiger Weise zur Entwicklung neuartiger Produkte und Anwendungen genutzt werden. Die Nanotechnik beeinflusst bereits heute die Industrie in vielen Bereichen, etwa die Automobilindustrie, den Maschinenbau, die Chemische und die Lebensmittelindustrie sowie die Bio- und die Umwelttechnik. Allein in Deutschland arbeiten heute über 800 Unternehmen im Bereich Nanotechnik.

Die Nanotechnik bietet erhebliche Potentiale für ökologische Produktinnovationen, aber auch Risiken für die Umwelt und die Gesundheit. Hier bestehen noch gravierende Wissenslücken. Daraus ergibt sich ein umfangreicher Bedarf an Forschung und Regulierung. Dafür ist eine transparente und von Industrie, Forschung und Behörden anerkannte Bewertung nanotechnischer Verfahren und Produkte hinsichtlich ihrer Chancen und Risken für Umwelt und Gesundheit notwendig. [Und warum hat sich bislang keiner drum gekümmert?] Die Hersteller sind gefragt, aussagekräftige Daten zur Wirkung und zur Exposition ihrer Produkte bereitzustellen sowie die Umweltentlastungspotentiale zu dokumentieren. Das UBA empfiehlt: Die Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten und frei setzen können, sollte – so lange ihre Wirkung auf Mensch und Umwelt weitgehend unbekannt ist - möglichst vermieden werden. [Das nennt man dann einen Meilenstein im Verbraucherschutz.]

Aus Sicht des Umweltbundesamtes ist es erforderlich, rechtliche Rahmenbedingungen für den sicheren Umgang mit Nanomaterialien zu schaffen. Ein wesentlicher Schritt hierzu ist ein Meldesystem für Nanomaterialien in Form eines Produktregisters. [Toll. Als wenn es keine EU-Richtlinien gäbe. Nach dem deutschen Bauproduktengesetz dürften z.B. Farben mit Nano-Partikeln nicht in Umaluf gebracht werden - ebenw eil die Risiken unerforscht sind.]

Die Diskussion um Chancen und Risiken hat sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die Bundesregierung hat frühzeitig mit der Einsetzung einer NanoKommission reagiert. Die Fachleute des UBA beteiligen sich in der NanoKommission sowie in weiteren nationalen und internationalen Arbeitskreisen, insbesondere innerhalb der OECD an der Entwicklung von Empfehlungen zum verantwortungsvollen Umgang mit Nanomaterialien. [Und was hat es gebracht? Nach wie vor ist der deutsche Michel das Versuchskarnickel.]

Das UBA trägt aktiv dazu bei, über umweltrelevante Aspekte der Nanotechnik zu informieren, Wissensdefizite auszufüllen und den weiteren Handlungsbedarf zu ermitteln. [Auch wenn's halt mal 3 Jahre dauert festzustellen, dass man mal was tun müsste.] Das Amt fördert umweltrelevante Innovationen, die durch den Einsatz der Nanotechnik möglich sind und ermittelt Umweltentlastungspotentiale. Voraussetzung ist allerdings, dass potentielle Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit bewertbar und vermeidbar sind.

Ausführliche Informationen enthält das Hintergrundpapier „Nanotechnik für Mensch und Umwelt – Chancen fördern und Risiken mindern“. Es steht im Internet zum kostenlosen Download bereit unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3765.

Dessau-Roßlau
21.10.2009

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Phthalate – nützliche Weichmacher mit unerwünschten Nebenwirkungen
Empfehlung des Umweltbundesamtes zum schrittweisen Ersatz

Phthalate sind so genannte Weichmacher: Sie machen Kunststoffe elastisch. Verwendung finden sie vor allem bei der Herstellung des Weich-PVC (Polyvinylchlorid), aus dem viele Alltagsprodukte bestehen, von Bodenbelägen, über Kunstleder und Tapeten bis zu Duschvorhängen. Doch die Phthalate sind in Weich-PVC nicht fest eingebunden. Sie dünsten aus oder lösen sich beim Kontakt mit Flüssigkeiten sowie Fetten. Die Folge: Phthalate finden sich überall in der Umwelt und der Mensch kommt ständig mit ihnen in Berührung. Einige Phthalate haben fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften. Andere stehen in Verdacht, sich in der Umwelt anzureichern. Risiken für Mensch oder Umwelt sind dennoch nur für wenige Anwendungsbereiche identifiziert. So hat die EU-Kommission beispielsweise ein Verbot für Phthalate in Babyartikeln und Kinderspielzeug erlassen. Obwohl für die meisten Anwendungen keine Risiken nachgewiesen sind, empfiehlt das Umweltbundesamt (UBA) im Sinne einer vorsorgenden und nachhaltigen Chemikalienpolitik, den Eintrag der Phthalate in die Umwelt so weit wie möglich zu vermeiden. Hersteller sollten Weich-PVC – wo dies möglich ist – durch weniger umweltbelastende Materialien ersetzen. Für viele Anwendungen sind andere Kunststoffe, die keine Weichmacher benötigen, wie Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP), geeignet. Verbraucherinnen und Verbraucher haben zudem die Möglichkeit, sich für gänzlich andere Werkstoffe – wie Holz oder Kork als Bodenbelag – zu entscheiden.

Die chemische Industrie produziert jährlich in Westeuropa rund eine Million Tonnen Phthalate. Mehr als 90 Prozent gehen in die Produktion des Weich-PVC. Der Mensch nimmt diese Weichmacher vor allem über die Luft und die Nahrung auf. Bei fast jedem Menschen sind Phthalate im Blut nachweisbar. Die fünf am meisten eingesetzten Phthalate sind Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP), Dibutylphthalat (DBP), Benzylbutylphthalat (BBP), Di-isononyl-phthalat (DINP) und Di-isodecyl-phthalat (DIDP).

Zu den als fortpflanzungsgefährdend eingestuften Phthalaten zählen DEHP, DBP und BBP. Bei diesen Weichmachern zeigen die EU-Stoffbewertungen bei wenigen Anwendungen Risiken für den Menschen oder die Umwelt. Die EU-Kommission hat deshalb Maßnahmen zur Risikominderung – beispielsweise das Verbot in Kinderspielzeug und Babyartikeln – getroffen. Bei den meisten anderen Anwendungen finden sie sich aber weiterhin im Einsatz.

Die PVC-Hersteller ersetzten mittlerweile vor allem DEHP teilweise durch DINP und DIDP. Diese Phthalate sind nicht als gefährliche Stoffe eingestuft. Die EU-Kommission hat aber wegen der Risiken von DIDP und – aus Vorsorgegründen – auch für DINP ein Verbot für Babyartikel und Kinderspielzeug, das in den Mund genommen werden kann, erlassen. Die EU-Risikobewertungen zeigen keine weiteren Risiken bei DINP und DIDP auf. Das UBA bewertet das anzunehmende Umweltverhalten dieser Stoffe jedoch als bedenklich. Sie stehen im Verdacht, sich in hohem Maße in Organismen anzureichern und eine lange Lebensdauer im Boden und in Sedimenten aufzuweisen.

Das UBA spricht sich dafür aus, dass Stoffe, die in der Umwelt langlebig sind oder ein hohes Anreicherungspotenzial in Organismen aufweisen, generell nicht in die Umwelt gelangen sollten. Auch den Umwelteintrag fortpflanzungsgefährdender Stoffe gilt es zu vermeiden. Für Weich-PVC werden überwiegend Phthalate als Weichmacher eingesetzt. Die Freisetzung der Phthalate aus Weich-PVC ist grundsätzlich nicht zu verhindern. Das UBA empfiehlt daher den schrittweisen Ersatz von Weich-PVC durch weniger umweltbelastende Werkstoffe.

Weitere Informationen zu Phthalaten, ihren Eigenschaften, den EU-Risikobewertungen und zu Produktalternativen finden Sie im UBA-Hintergrundpapier „Phthalate – Die nützlichen Weichmacher mit unerwünschten Eigenschaften“ unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/weichmacher.pdf.

Presseinfo UBA
Dessau, 7.2.2007

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Novelle der europäischen Pestizidzulassungsrichtlinie
DVGW und BGW veröffentlichen gemeinsame Stellungnahme

Berlin / Bonn, 11.09.2007 – Anlässlich der am Mittwoch im federführenden Umweltausschuss des Europäischen Parlaments anstehenden Abstimmung zur Novelle der europäischen Pestizidzulassungsrichtlinie fordern der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) und die Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfachs e. V. (DVGW), den Schutz der Rohwasserressourcen zu sichern. Dies ist von grundlegender Bedeutung, um Trinkwasser in möglichst naturnaher Qualität als Lebensmittel zur Verfügung zu stellen.

BGW und DVGW bewerten den Kommissionsvorschlag zur zukünftigen Einteilung von Europa in drei Zulassungszonen als einen Rückschritt für den Schutz der Rohwasserressourcen. Demnach sollen in Großbritannien oder Slowenien zugelassene Produkte auch in Deutschland zum Einsatz kommen. Die Kommission setzt dabei voraus, dass in den Zulassungszonen jeweils vergleichbare Boden- und Standverhältnisse
herrschen. Dem widersprechen DVGW und BGW nachdrücklich.

Außerdem sollten Mitgliedsstaaten nicht gezwungen werden, in Widerspruch zu den Grundsätzen ihrer nationalen Umwelt- und Gesundheitspolitik den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu akzeptieren, die das Grundwasser verschmutzen oder unnötige Gefahren und Risiken für Mensch und Umwelt mit sich bringen. Die Entscheidungsfreiheit der Mitgliedstaaten über das ob und wie einer Zulassung muss unter Berücksichtigung der regionalen und lokalen Gegebenheiten beibehalten werden.

DVGW und BGW mahnen darüber hinaus die nachhaltige Verankerung und Umsetzung des Verursacherprinzips als wichtiges Element für den vorsorgenden Gewässerschutz an. Die kostenintensive Entfernung von Pflanzenschutzmitteln aus dem Rohwasser durch die Wasserwerke widerspreche der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die Umwelt- und Ressourcenkosten verursachergerecht zuzuordnen. Bei der Verankerung des Verursacherprinzips gelte es, die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln einzubinden und die Verantwortung für ihre Produkte auch über die Zulassung hinaus zu etablieren.

Weiterhin fordern DVGW und BGW die Einführung eines obligatorischen Nachzulassungsmonitoring in ausgesuchten Grundwasserkörpern und Oberflächengewässern. Jedes Auftreten von Pestiziden oder deren Metaboliten in relevanten Konzentrationen in Gewässern sollte eine umgehende Prüfung der Zulassung zur Folge haben. Eine Veränderung der Zulassungsdauer aufgrund aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse müsse jederzeit möglich sein. Außerdem soll die Transparenz der Zulassungsdaten für alle Wasserversorger sichergestellt werden, um bspw. Untersuchungen auf gewässergängige Wirkstoffe zielgerichtet durchführen zu können.

Die ausführliche Stellungnahme finden Sie auf der Website des BGW (www.bgw.de) und der DVGW (www.dvgw.de).

Pressemitteilung
BGW & DVGW
11.09.2007

Kommentar:
Zur Verhinderung des Bewuchses bestimmter Fassaden mit Algen und anderen Mikroorganismen werden diese gemäß Empfehlung "algizid und fungizid eingestellt", also mit Algiziden und Fungiziden versehen. Algizide und Fungizide sind Pestizide; jährlich werden davon ca. 5.000 t von deutschen Fassaden ausgewaschen und in die Umwelt eingetragen.

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Radon

Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das beim spontanen radioaktiven Zerfall im Boden von Uran 238 über Thorium, Protactinium, Uran 234, Thorium und Radium 226 [2, S.72] entsteht und an die Luft entweicht. Es kann praktisch überall in unterschiedlichen Konzentrationen [1], aber auch in mineralischen Baustoffen vorkommen.

Das Gehalt von Radium in Innenräumen wird praktisch vorwiegend aus dem Baugrund bestimmt. Nur im geringen Umfang sind Radionuklide in den Baustoffen. Erhöhte Gehalte von Radon im Boden treten in folgenden Regionen von Deutschland auf, Uranabbaugebiete in Thüringen und Sachsen, Bayerischer und Oberpfälzer Wald, Oberfranken, Schwarzwald, Rheinland Pfalz, Eifel, Regierungsbezirk Koblenz und Kassel.

Durchschnittlich liegt die Radioaktivität in der Wohnung gegenüber im Freien um 15 % höher. Besonders dann, wenn für die Wände oder Decken viel Bimsstein, Chemiegips, Schlackestoffe und/oder Granit verwendet wurden [3, S.12] Etwas höhere Werte wurden ...

Wenn Sie sich hierüber mehr erfahren wollen, lesen Sie weiter bei Kollegen Peter Rauch aus Leipzig:

Radon - Vorkommen und Eigenschaften

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Gebäudefassaden als Quelle für Gewässerverschmutzung

Wurden in Bächen und Flüssen Pestizide gefunden, galt lange die Landwirtschaft als Sündenbock. Jetzt zeigen Untersuchungen der Eawag und der Empa, dass solche Stoffe zu einem beträchtlichen Anteil auch aus dem Siedlungsgebiet stammen, wo sie unter anderem aus Fassadenfarben und Putzen ausgewaschen werden und mit dem Regenwasser in die Umwelt gelangen. Dort können sie toxisch auf Organismen wirken. In Zusammenarbeit mit Herstellern, kantonalen Fachstellen und weiteren Partnern haben die Forscher die Prozesse der Fassadenauswaschung untersucht und diskutieren nun Lösungen für das Problem.

Routinemässig untersucht das zürcherische Amt für Wasser, Energie und Luft (Awel) Gewässer auf Pestizide. Regelmässig werden in einzelnen Fliessgewässern zu hohe Pestizidkonzentrationen gefunden. Neue Messungen am Furtbach (bei Würenlos) und an der Glatt haben 26 Wirkstoffe nachgewiesen. Bei 22 Verbindungen wurde die Qualitätsanforderung der eidgenössischen Gewässerschutzverordnung (maximal 0.1 µg/l) überschritten, teils um ein Mehrfaches. Nicht alle dieser Stoffe können aus der Landwirtschaft stammen. Denn einzelne Substanzen sind für landwirtschaftliche Anwendungen verboten oder die Konzentrationen zeigen keinen typischen saisonalen Verlauf, wie er für Mittel üblich ist, die auf den Feldern eingesetzt werden. Sie müssen also anderswo herkommen. Dieser Befund wird durch Studien des Wasserforschungsinstituts Eawag im Ausfluss von Abwasserreinigungsanlagen und im abfliessenden Regenwasser im Einzugsgebiet des Greifensees bestätigt. Sie zeigen klar auf, dass auch nicht-landwirtschaftliche Quellen via Siedlungsentwässerung massgeblich zur Gewässerbelastung beitragen.

Bis zu 300 Tonnen Biozide jährlich

Für mehrere Substanzen hat nun die Eawag im Rahmen des Forschungsprojekts "Urbic" zusammen mit Empa-Materialforschern im Labor und unter realen Bedingungen nachgewiesen, dass sie aus Gebäudefassaden ausgewaschen werden. Dort sind sie zum Schutz vor Algen- und Pilzbefall heute standardmässig in kunststoffgebundene Farben und Putze für Aussenwärmedämmungen eingebaut. Für die Schweiz wird der jährliche Biozidverbrauch für solche Anwendungen auf 60 bis 300 Tonnen geschätzt. Stark zugenommen hat der Biozideinsatz mit der verbesserten Dämmung von Gebäuden sowie einer Architektur ohne oder mit (zu) geringem Dachvorsprung.

Spitzenwerte beim ersten Regen

Um die Auswaschung zu beziffern, wurden im Labor Fassadenelemente künstlich beregnet, mit UV-Licht bestrahlt und verschiedenen Temperaturen ausgesetzt. An einem eigens gebauten kleinen Haus (Bild) konnte bei realen Wetterbedingungen im Freien getestet werden. Und schliesslich haben die Forscher auch an mehreren Neubauten in der Region Zürich Experimente durchgeführt. Sie fanden dabei heraus, dass vor allem in den ersten Fassadenabflüssen bei frisch verputzten oder gestrichenen Häusern die Biozidkonzentrationen enorm hoch sind. Vom Wirkstoff Diuron (Herbizid/Algizid) etwa wurden im ersten Liter Fassadenabfluss 7000 µg/L gemessen. In einen Bach geleitet müsste dieser Liter 70’000mal verdünnt werden, damit die Anforderung der Gewässerschutzverordnung nicht überschritten würde. Das zeigt, dass die Versickerung von Fassadenwasser und Einleitung aus dem Siedlungsbereich in kleine Gewässer problematisch ist. Die Konzentrationen nehmen dann allerdings sowohl bei längeren Regenfällen, als auch mit weiteren Regenereignisse rasch ab. Abhängig sind die Auswaschungsraten nicht nur von der Löslichkeit des jeweiligen Wirkstoffs, sondern auch vom photochemischen Abbau der Stoffe sowie von der Beschaffenheit der Putze und Farben.

In kleinsten Konzentrationen wirksam

Die im Fassadenablauf gemessenen und zusätzlich mit einem Computermodell abgeschätzten Biozidkonzentrationen wirken laut der Studie zweifellos giftig auf Algen, Wasserpflanzen und Gewässerlebewesen. Denn verschmutztes Fassadenwasser kann via Drainagen oder Regenwasserentlastungskanäle direkt in Bäche gelangen. Was an der Fassade das Algenwachstum hemmt, übernimmt diese Funktion auch im Gewässer – auch bei starker Verdünnung. Von einzelnen Wirkstoffen ist bekannt, dass bereits wenige Nanogramm pro Liter einen toxischen Effekt zur Folge haben; dazu zählt das aus Schiffsanstrichen bekannte Cybutryn (Synonym Irgarol®1051). Es gilt also nicht nur das pauschale Qualitätsziel des Gesetzes im Auge zu behalten, sondern auch zu differenzieren, welche Stoffe ökotoxikologisch besonders heikel sind. Ausserdem besteht nach wie vor grosser Forschungsbedarf, weil unklar ist, wie die auftretenden „Stoffcocktails“ in der Umwelt wirken.

Mit der Praxis Lösungen erarbeiten

Für Michael Burkhardt, der das Projekt "Urbic" koordiniert hat, ist klar, dass die Biozidprodukteverordnung bei diesen Materialschutzmitteln eine Bewertungslücke aufweist, da der direkte Eintrag ab Fassaden ins Gewässer heute nicht berücksichtigt wird. Generell müsse bei der Regenwasserentsorgung aus dem Siedlungsgebiet den eingesetzten Baumaterialien und der Wasserqualität mehr Beachtung geschenkt werden, fordert Burkhardt. Doch auch die Frage müsse erlaubt sein, ob wirklich überall Biozide eingebaut werden müssen. Denn längst nicht überall ist Algen- und Pilzbefall zu erwarten. Und viele Probleme an Fassaden liessen sich vermeiden: Architekten könnten einen konstruktiven Feuchteschutz einplanen. Oder Hausbesitzer sollten mit Pflegemassnahmen, wie Fassadenreinigung oder Zurückschneiden von Bäumen, mehr Eigenverantwortung übernehmen, statt auf Garantieleistungen zu pochen. Gerade die Garantien zwingen nämlich die Hersteller von Kunststoffputzen und Fassadenfarben zum vermehrten Einbau von Bioziden. Zusammen mit Herstellern diskutiert die Forschergruppe aber auch innovative Einbettungsverfahren für die Wirkstoffe, die Nutzung weniger problematischer Wirkstoffe oder biozidfreier Beschichtungen und fördert einen intensiven Dialog zwischen Wissenschaft, Industrie und Behörden.

Stichwort Additive

Additive sind Zusatzstoffe, die Produkten in geringen Mengen zugesetzt werden, um bestimmte Eigenschaften zu erreichen oder zu verbessern. Dieser Sammelbegriff umfasst z.B. Antioxidantien, UV-Filter und Flammschutzmittel. Auch Biozide gehören zu den Additiven, unterliegen auf Grund ihrer spezifischen Wirkung gegen Organismen aber der Biozidprodukteverordnung (VBP). Diese reguliert das Zulassungsverfahren, den Einsatz in Produkten und die Produktdeklaration. Die Schweizer VBP ist seit 2005 in Kraft und deckt sich mit der Biozid-Produkte-Richtlinie 98/8/EG der EU. Zum Schutz von Fassaden gegen Pilze und Algen steht eine relativ kleine Anzahl von Bioziden zur Verfügung, die in kunstharzgebundenen Putzen und Fassadenfarben als Mischungen kombiniert eingesetzt werden. Teilweise enthalten sie Wirkstoffe, die auch in der Landwirtschaft eingesetzt werden, z.B. die auch als Algizid wirkenden Herbizide Diuron und Isoproturon. Einzelne Stoffe sind für die landwirtschaftliche Anwendung nicht mehr zugelassen (z.B. Terbutryn) oder aus anderen Gebieten bekannt – etwa das Algizid Cybutryn, das in Schiffsfarben zum Einsatz kommt.

Quelle: EAWAG
26.08.2008

Hinweise:

300 to Pestizide p.a. - das sind die Werte für die Schweiz.
In Deutschland sind es ca. 5.000 to (Quelle: Dr. Erfurth, öbuvSV).
Fassadenfarben ohne Chemiekeule gibt es bereits. ... mehr

Weiterführende Informationen:

bei schimmelpilz-sanieren.de

Fungizide & Alizide = Pestizide = Biozide
:: Biozide
Definition und Vorkommen von Biozid-Produkten
Rechtliche Regelungen zu Biozid-Produkten
Risiken und Nutzen von Biozid-Produkten

:: Fungizide und Algizide (=Pestizide)
   zum Schutz gegen Algen und Mikroorganismen
:: Farbe gegen Schimmel und Algen

im Blog BAUFÜSICK

:: Ohne Chemiekeule gegen Algen an Fassaden
:: Pestizide im Blog BAUFÜSICK

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