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10 Goldene Regeln für Bauherren

1
Beschließen Sie Ihr Bauvorhaben ungeachtet einer vorangehenden finanziellen Prüfung. Das schafft Spannung und mit Sicherheit Überraschungsmomente. Was Ihnen Legislative und Exekutive vormachen, können Sie zwar noch lange nicht – aber der Versuch sollte durchaus reizen.

2
Sollten Sie in die Verlegenheit einer Finanzierung kommen, schauen Sie sich erst einmal um, wer Ihnen eine Finanzierung ohne Eigenkapital anbietet. Das kann zwar von vornherein nicht funktionieren, jedoch hat die Provision auch eine soziale Komponente. Kombinieren Sie die Finanzierung am besten mit nutzlosen und überteuerten Versicherungen.

3
Wenn Sie sich das Baugrundstück aussuchen, sollten Sie dem Makler blind vertrauen. Gehen Sie nicht davon aus, dass schöngeredet und verschwiegen wird. Lassen Sie sich alles Mögliche mündlich zusichern, ohne es später in den Notarvertrag zu übernehmen. Das Exposé sollte lustlos gestaltet, nichts sagend und unverbindlich sein. Verzichten Sie auf eine Einbeziehung der Umgebung.

4
Verzichten Sie auf einen Planer, sondern lassen Sie sich vom Bauträger oder GU über den Tisch ziehen. Die scheinbare Kosteneinsparung lässt ein unbändig Maß an Freude aufkommen, welches einen kritischen Blick auf Pfusch am Bau mildert. Im Rundum-Sorglos-Paket des GU ist natürlich die Selbstkontrolle, die bestimmt gandenlose Konsequenz in Ihrem Interesse einschließt, enthalten. Inklusive Bauleitung bedeutet auf keinen Fall, dass der Bock zum Gärtner gemacht wird.

5
Entschließen Sie sich doch für Architekt oder Bauleiter, sollten Sie nach dem günstigsten Honorarangebot selektieren. Eigentlich gilt auch hier das Ruskin’sche Gesetz, aber je mehr Sie Ihrem Treuhänder finanziell die Gurgel abdrücken, desto mehr setzt er sich für Sie ein. Also: auf den Preis achten – nicht auf Erfahrung, Versicherung, Qualifikation. Die HOAI gilt zwar auch weiterhin, jedoch gilt es auch bzw. gerade hier am falschen Ende zu sparen.

6
Die Planung und die Bauleistungsbeschreibung sollten möglichst unkonkret gehalten sein. Bestens bewährt haben sich die Exemplare, denen man bereits auf den ersten Blick ansieht, dass es sich um die zigste Kopie handelt. Der ausgewechselte Name des Bauvorhabens genügt. Das schafft interessante Interpretations- und Missverständnissituationen, die zur Bereicherung des Bauablaufes beitragen.

7
Sparen Sie auch bei der Angebotseinholung. Geben Sie kein Geld aus für LPh 6 und 7. Fragen Sie lieber einige Handwerksbetriebe / Hausbaufirmen ab – der anschließende Vergleich von Äpfeln mit Birnen ist allemal interessanter als eine Auswertung nach Preisspiegel. Richtig lustig wird es erst, wenn am Ende erklärt wird, was so alles nicht im Angebot enthalten ist – und Sie mit Nachträgen amüsiert werden.

8
Kaufen Sie sich ein paar Ratschlagbücher und stellen sie sich die VOB ins Regal. Das genügt, um auf eine Bauleitung (LPh 8 HOAI) verzichten zu können. Der ganz Zaghafte lässt sich eine Baubegleitende Qualitätskontrolle aufschwatzen. Oder man geht zu einem der selbstlosen Vereine oder Organisationen, die uneigennützig nur Schutz und Rettung der Bauherren in den Fahnen stehen haben. Dabei sollte man weder über das Preis-Leistungs-Verhältnis nachdenken noch darüber, wozu man Vereinsmitglied wird, wo dann doch jede Stunde extra bezahlt wird - möglichst mit Haftungsfreistellung, versteht sich.

9
Pfeifen Sie bei ihrer Entscheidung für Baustoffe und -verfahren auf Altbewährtes. Gerade im Bausektor gilt es „trendy“ zu sein. Dass sich vieles Neue noch gar nicht bewährt haben kann, macht nichts. Erfahrungen machen reich. Ökosiegel und anderer Klimbim machen das Leben in einer Chemiebude erträglich. Die Werbung hilft Ihnen bei der Entscheidung. Dichte Fenster und Lüftungsanlagen, „hochmoderne“ Konvektionsheizungen, jede Menge diffusionsoffene oder -dichte Folien und Pampen usw. usf. Monolithisch-mineralisch ist etwas für Langweiler.

10
Denken Sie ökologisch. Das bedeutet, dass Sie mithelfen, das Klima zu retten. Am besten geht das mit viel Styropor oder Mineralwolle. Auf dem Papier hat sich noch jede Leichtbauweise bewährt. Lassen Sie sich von den U-Wert-Fetischisten Formeln und Fachbegriffe um die Ohren hauen, bis Sie anfangen an den Blödsinn zu glauben. Öko geht vor Wirtschaftlichkeit – und es muss eh keiner dafür einstehen, wenn die schön gerechneten
Werte nicht eintreffen.

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7 Goldene Regeln für Bauherren

1
Ein Hausbau oder Hauskauf ist für die meisten Familien die größte und nachhaltigste wirtschaftliche Lebensleistung, daher ist größte Sorgfalt bei Entscheidungen erforderlich.

2
Die Trennung von Planung, Bauen und Bauüberwachung sichert die beste Qualität und bewahrt vor Überraschungen. Komplettangebote (Bauen aus einer Hand) haben nur scheinbare Vorteile. Auch Gratisleistungen werden bezahlt.

3
Frühzeitiges Einbeziehen von produktunabhängigen Beratern - Bauvorlageberechtigten Ingenieuren (BVL) - oder Architekten wendet Fehler ab, weil durch bestehende Berufshaftpflichtversicherung und standesrechtliche Überwachung bei ihnen keine "Insolvenz" eintreten kann.

4
Prüfung von Angeboten jeder Art - rechtlich und sachlich durch einen unabhängigen Fachmann (BVL) vornehmen lassen.

5
Die Baubetreuung und Bauüberwachung in jedem Fall von einem dem Bauherren direkt verpflichteten und auch vergüteten Bauvorlageberechtigten durchführen lassen, der notfalls Spezialingenieure hinzuzieht. Überlassen Sie die Bauüberwachung nie einem an der Herstellung des Gebäudes beteiligten Bauleiter.

6
Keine eigenen Leistungen oder mit Nachbarschaftshilfe (oder gar Schwarzarbeit) an Bauteilen oder -konstruktionen, die für Funktionssicherheit, Wärmeschutz, Schallschutz, Standsicherheit, Brandschutz, Erschütterungsschutz erforderlich sind, ohne fachlich qualifizierten Bauüberwacher (Bauvorlageberechtigten) ausführen.

7
Nicht durch Qualitätssiegel, Zertifikate, Gütesiegel oder ähnliche Marketinginstrumente beeindrucken lassen. Auch wenn Bauprodukte qualitätsüberwacht hergestellt werden, werden beim Zusammenfügen oder Verwendung von Baustoffen auf der Baustelle die entscheidenden Fehler gemacht, die in Deutschland jährlich ca. 3,5 bis 4 Milliarden Euro Mängel und Schäden verursachen. Jedes Bauwerk ist ein Unikat.

Dr. Wilfried Mollenhauer
Brandenburgische Ingenieurkammer
April 2002

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Das Ruskin´sche Gesetz

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen.

Es ist unklug, zuviel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zuwenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zuwenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas besseres zu bezahlen.

John Ruskin, englischer Sozialreformer, 1819-1900

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Statt Geiz ist geil: Geist ist geil.

Eine einstmalige Schlüsselbranche geht vor die Hunde.
Die Ingenieurkammer fordert Bauqualität.
Nicht die Baukosten sind wichtig, sondern die Kosten über die Lebensdauer eines Bauwerks.

Was ist eigentlich los im Bauwesen unseres Landes? – Die Ingenieurkammer Baden-Württemberg will nicht mehr länger untätig zuschauen, wenn eine einstmalige Schlüsselbranche vor die Hunde geht.

Sie macht ihre Wut über das beobachtete Geschehen an folgenden Fakten fest:
1. Die Schnäppchenmentalität „Geiz ist geil“ diktiert auch das Bauwesen.

2. In der Folge wird das Standardbauwerk – Beispiele: Gebäude, Straßen, Brücken, Kläranlagen – nur noch nach dem niedrigsten Preis vergeben.

a) Es muss die billigste Planung sein.
b) Es muss das billigste Bauunternehmen sein.
c) Ausführungskontrolle ist verzichtbar.
d) Nach Möglichkeit nichts prüfen.
e) Schnell muss alles gehen.

3. Nachhaltigkeit spielt keine Rolle.

4. Qualität spielt keine Rolle.

5. Baukultur spielt keine Rolle.

6. Die mittelständisch strukturierte Bauwirtschaft – kleine Ingenieur- und Architektenbüros, kleine, familiengeführte Baufirmen – ist vom Subunternehmensdiktat geprägt, lebt von der Substanz und wenn’s nicht mehr reicht, geht’s zum Insolvenzrichter, der arbeitslose Architekt fährt Taxi und der Ingenieur beutet sich nur noch aus.

Spektakuläre Firmenpleiten (da die meisten „nur“ wenige hundert oder darunter Beschäftigten haben, schreibt gerade mal die Lokalzeitung darüber) und spektakuläre Dacheinstürze machen – wenigstens für kurze Zeit – ein wenig darauf aufmerksam, dass da wohl etwas passiert ist. – Schicksalhaft eben, schlimm und schade, aber geändert wird, wie es aussieht, nichts.

Die Ingenieurkammer plädiert für eine Umkehr, zunächst in den Köpfen und dann in den Taten. „Geist ist geil“ steht auf ihrer Homepage, wenn sie sich dort dafür stark macht, den „Rohstoff Geist“ zu fördern.

• Die Ingenieurkammer fordert ein anderes Verständnis von Planen und Bauen: Wichtig ist, den Planern, insbesondere den Ingenieuren, die Chance zu geben, die an den Hochschulen gewonnenen Erkenntnisse in ihren Plänen umzusetzen. Bereits mittelfristig können daraus sogar Beiträge für besseres und preiswerteres Bauen werden.

• Die Ingenieurkammer fordert, die Ausschreibung und Vergabe von Planungs- und Bauleistungen an der designierten Lebensdauer eines Bauwerks zu orientieren. Die Baukosten sind nur ein Drittel (und weniger) der Lebensdauerkosten. (Lifecycle-Costing muss das tragende Prinzip werden.)

• Die Ingenieurkammer fordert, Ausschreibung und Vergabe von Planungs- und Bauleistungen an der Verantwortung der Beteiligten festzumachen. - Große Agglomerationen sind dafür kontraproduktiv. Der Planer als Subunternehmer orientiert sich am niederen Preis, der von ihm verlangt wird, und nicht an der größtmöglichen technischen oder gestalterischen Innovation. Der Bauunternehmer produziert unter dem Preisdiktat Vollzug und nicht verantwortetes Können mit eigenen, ausgebildeten Leuten. Er holt in seiner Verzweiflung Subsubunternehmen, woher auch immer.

• Die Ingenieurkammer fordert Ausschreibung von Planung und Ausführung nach Losen und an Arbeitsgemeinschaften selbstständiger Büros und Unternehmen.

• Die Ingenieurkammer fordert von den Auftrag vergebenden Stellen, zuerst die Qualität zu definieren und dann den Preis.

• Wenn der Auftraggeber darüber nicht Bescheid weiß, muss er sich Rat bei den Ingenieuren und Architekten holen.

• Die Ingenieurkammer fordert, dass der öffentliche Auftraggeber über Sachverstand und kompetente Ansprechpartner verfügt. Hochbauämter, Straßenbauämter, Umweltämter müssen mit den besten Ingenieuren und Architekten ausgestattet sein. Diese Ämter dürfen nicht länger zu politisch und juristisch diktierten Handlangern werden.

• Die Ingenieurkammer fordert schließlich, das Baurecht zu vereinfachen, es dann aber auch konsequent einzusetzen. Die Liberalisierung des Baugeschehens muss mit der Stärkung der Verantwortung der Beteiligten einhergehen. Es kann nicht beliebig sein, ob der Schutz von Leben und Gesundheit, der Schutz des Verbrauchers, der Erhalt von Volks- und Privatvermögen in die Beliebigkeit der Beteiligten verkommt.

Die Verwirklichung dieses Forderungskatalogs kann dazu beitragen, dass Bauen wieder eine Kulturtugend wird. Dafür braucht es nicht mehr Geld, sondern den sinnvolleren Einsatz von Geld, halt langfristig gedacht.

Dann wird es wieder deutsch sprechende Lehrlinge, Facharbeiter und Techniker auf den Baustellen geben. Dann wird der Lehrberuf in den Baufirmen wieder angeboten, dann wird Ingenieurwesen an den Hochschulen wieder studiert. Dann kann ein Know How-Defizit einer wichtigen Schlüsselbranche in Baden-Württemberg und in Deutschland insgesamt vermieden werden. Engineering und Bautechnik gehören zum Rohstoff Geist, auf den ein ansonsten rohstoffarmes Land nicht verzichten kann, wenn es in Zukunft intelligent und Kosten sparend bauen will.

Geist ist ein nachwachsender Rohstoff. Das ist geil.

Pressemitteilung
Ingenieurkammer Baden-Württemberg
04.2006

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