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Dämmolympiade
Willkommen in der Welt der ungebremsten Erfolge.
Energieeinsparungen ohne Ende.
Sensationen, Attraktionen, Wunschträume und Werbesprech.
:: Dämmolympiade, Teil 1


Wirtschaftlichkeit in neuer Definition?

Zitat: "Je dicker, desto wärmer! Wenn Sie Ihr Haus einpacken, sollten Sie nicht an der Schichtdicke sparen, denn bezogen auf die Gesamtkosten verursachen ein bis zwei Zentimeter mehr keine nennenswerte Mehrinvestition. Wenngleich die Kosten zunächst mit jedem Zentimeter Außenhaut mehr steigen, nehmen die zusätzlichen Energieeinsparungen mit der Dämmstoffstärke zu (s. Abb. unten). In Anbetracht stetig steigender Energiepreise sind maximale Dämmstoffstärken von bis zu 30 cm wirtschaftlich und durchaus realistisch, empfehlenswert sind Stärken von mind. 12 cm."



Wirtschaftlichkeit eines WDVS (Thermohaut)
Quelle: Energiedepesche; Grafik: BINE Informationsdienst
Kommentar RB: und ich dachte, dies zeigt die Wirtschaftlichkeitsgrenze von ca. 8 cm?

zugesandt von Rainer Bolle,
Bremen, 2003

Querverweis:
:: Zur Relation von WDVS und dem Endenergieverbrauch der Haushalte, 1990-2004
   bei richtigsanieren.de

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Wärmedämmung mit WDVS: mehr einsparen als verbrauchen

Gefunden in der Berliner Zeitung vom 30.07.2005, Ressort: Immobilien:

"Wärmedämmung zahlt sich aus
Bundesverband sieht Einsparpotenzial bei Heizöl in Milliardenhöhe /
Auch teure Sanierungen bei Altbauten lohnen sich
BERLIN, 29. Juli. In vielen Haushalten in Deutschland wird noch immer Energie vergeudet...
...
Auf Grundlage dieser Daten hat der Bundesverband Wärmedämm-Verbundsysteme folgende Bilanz aufgestellt: Würden alle 24 Millionen Wohneinheiten in Deutschland, die bisher noch nicht optimal wärmegedämmt sind, ideal saniert, könnten 218 Milliarden Liter Heizöl in einem Jahr eingespart werden.
..."

Dieser hoch interessante Artikel erschien natürlich nicht nur in der Berliner Zeitung, sondern in vielen Tageszeitungen und auch in Fachzeitschriften.

Die Inhalte, die darauf zu untersuchen sind, ob sie einer Überprüfung standhalten:

1. In mehr als 50% der Haushalte würden mehr als 20 Liter Heizöl je qm verheizt. Welche seriöse Quelle liefert diese Daten mit wissenschaftlicher Sicherung?

2. Womit werden Leistungsversprechen begründet, dass man mittels Brennerjustierung und einer „guten Wärmedämmung“ auf einen Verbrauchswert von 7 Litern Heizöl je qm kommt? Wie sehen die Berechnungsgrundlagen für diese werbliche Aussage aus?

3. Womit werden Leistungsversprechen begründet, dass man mittels Brennerjustierung und einer „guten Wärmedämmung“ auf einen Verbrauchswert von 3 Litern Heizöl je qm in rd. 400.000 Wohnungen kommt? Wie sehen die Berechnungsgrundlagen für diese werbliche Aussage aus? Was ist eine „guten Wärmedämmung“?

4. Was ist unter „nicht ganz billig“ zu verstehen, wenn er von energetischen Sanierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit einer „14 Zentimeter dicke(n) Wärmedämmung“ spricht?

5. Was hat der Verbraucher unter „extrem hohen Energiepreisen“, „teuren Investitionen“ und Amortisationen „nach einiger Zeit“ zu verstehen?

6. Welche seriöse Quelle gibt mit wissenschaftlicher Sicherung den Transmissionswärmeverlust über die Außenwände in Höhe von 40% für mindestens 50% der Wohnungen an?

7. Auf welchen Wohnungsbestand bezieht sich die Aussage, dass rund 30% der Wärme durch schlechte Fenster entweiche?

8. Auf der Grundlage welcher Daten hat der FV WDV die hanebüchene „Bilanz“ aufgestellt, dass 218 Mrd. l Heizöl p. a. eingespart werden könnten, wenn alle 24 Mio. Wohneinheiten, die „noch nicht optimal wärmegedämmt sind“, „ideal saniert“ würden?
a.   Was bedeutet „nicht optimal wärmegedämmt“?
b.   Was bedeutet „ideal saniert“?
c.   Wie berechnet man die Einsparung von Ø 9.083 l Heizöl je WE p. a.?
d.   Wie viele l Heizöl verbraucht eine WE Ø p. a.?
e.   Wie sehen die Bestandsdaten der genannten 24 Mio. WE aus? Wo hat der FV WDV die her?
      Weiß der FV WDV mehr als das Statistische Bundesamt?
f.    Liegt dieser „Berechnung“ ein anerkanntes Berechnungsverfahren zugrunde
      oder sind die Zahlen frei erfunden?

9. Welche sind die „jüngsten Statistiken“, die den Ratschlag angeblich unterstreichen?
a. Wie soll es mittels Dämmmaßnahmen möglich sein, den Anstieg der Inflationsrate infolge der gestiegenen Kosten bei Mineralölprodukten zu beeinflussen?
b. Beeinflusst man mittels WDVS Energieverbräuche oder Energiekosten?
c. Was ist unter „Mineralölprodukten“ zu verstehen? Es gehören neben Heizöl auch Diesel und Benzin dazu, es gibt aber noch weitere. Was haben diese Produkte preislich mit WDVS zu tun?
d. Welche Faktoren beeinflussen den Heizölpreis?

Dazu kommt Verschwiegenes:

Ein Recycling von WDVS gibt es de facto in Deutschland nicht. Man stößt auf Rat- und Sprachlosigkeit bei diversen Bundesministerien und -ämtern sowie Fachverbänden. Angesichts über 700 Mio. verarbeiteter m² WDVS kommt hier ein ungelöstes Problem von hoher volkswirtschaftlicher Tragweite auf uns zu. Die aktuell gängigen teuren Sanierungssysteme verzögern nur etwas den Zeitfaktor. Wer zahlt am Ende?

Den WDVS wird vom FV WDV eine hervorragende Ökobilanz ausgestellt. Das Problem des nicht existierenden Recyclings wird dabei genauso ausgeblendet wie die Umweltbelastung mit tausenden Tonnen Styrol jährlich und weiteren etlichen Tonnen Pentan bei der Herstellung von Polystyrol. Die Herstellung von Pentan ist sehr energieintensiv und Styrol ist kanzerogen.

Der Begriff „wirtschaftlich“ kommt in dem Werbetext des FV WDV nicht vor. Nicht „teure Sanierungen bei Altbauten“ lohnen sich, sondern nur wirtschaftliche. Das Gebot der Wirtschaftlichkeit ist gesetzlich vorgeschrieben, man kann das im §5 des Energieeinspargesetzes (EnEG) nachlesen. Teure Sanierungen sind Wunschträume von Herstellern und Verarbeitern, wirtschaftliche Maßnahmen beim Bauen im Bestand sind sogar in der Energieeinsparverordnung vorgeschrieben – auch hier ist der Wirtschaftlichkeitsgrundsatz verankert.

Ebenso wurde ausgeblendet: Algen und Mikroorganismen an Dämmfassaden, Rissbildung, Tauwasser-problematik.

Ein Rechenexempel zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit:

218.000 Mio. l : 24 Mio. WE = 9.083,33 l/WE
das ist ein unglaublich gutes Einsparergebnis!
[218.000.000.000 : 24.000.000 = ~9.000 und 218 Mrd. = 218.000 Mio.]

Nun die Frage: geht das überhaupt?

Fakt 1:
durchschnittlich 16,05 l/m² Wfl. benötigten die westdeutschen Haushalte
in Mehrfamilienhäusern in der Heizperiode 2002/03 - Vorjahr: 16,25 l/m²
Quelle: Studie von Techem "Energiekennwerte, Ausgabe 2004"

Fakt 2:
Ø Kosten, 68 m² Wfl., Ölhz.    335 € (1998/99) 499 € (2001/02)
Ø Kosten, 68 m² Wfl., Gashz. 403 € (1998/99) 550 € (2001/02)
Quelle: techem, 02.2004, nach Auswertung der Heizkosten von 800.000 Wohnungen

Fakt 3:
Für das Jahr 2002 gibt das Statistische Bundesamt 35.813.100 WE an (Stand: 13.08.2003),
belegt waren sie mit 36.105.500 Haushalten bzw. 76.861.600 Personen.
Die durchschnittliche Fläche je Wohneinheit betrug 89,4 m2
(41,6 m2/Person bzw. 2,2 Personen/WE).
Quelle: destatis.de

Jetzt nehmen wir das angegebene Einsparpotenzial in Höhe von 9.083,33 l/WE und den von techem ermittelten Durchschnittsverbrauch in Höhe von 16,05 l/m² Wfl. Dann käme man auf eine durchschnittliche Wohnungsgröße von 9.083,33 l/WE : 16,05 l/m² Wfl. = 565,94 m2/WE.  Das ist das 6,33-fache des tatsächlichen Wertes. [ 9.083,33 : 16,05 = 565,94; 565,95 / 89,40 = 6,33 = ~6]

Jetzt rechnen wir den auf 550 € gerundeten Wert der 68-m2-Wohnung auf 89,4 m2 hoch, das ergibt 723,09 €. Das macht bei einem Preis von 0,40 €/l bei Heizöl stolze 1.807,72 l aus. Nach der WDV Arithmetik spart man demnach 5x mehr ein, als man überhaupt verbraucht.
[ 550 x 89,4 : 68,0 = 723,09; 723,09 : 0,40 = 1.807,72 und 9.083,33 : 1.807,72 = 5,025 = ~5 ]

Fazit: das WDVS ist ein perpetuum mobile der 3. Art, der Energieerzeuger an der Hauswand. Unser Ratschlag: fordern Sie beim Fachverband WDV bzw. bei der ausführenden Firma dieses Einsparvolumen ein! Alternativ kann es Ihnen egal sein, ob Sie 5-fach oder 6-fach belogen werden. Zitat: "Darüber hinaus haben wir dafür zu sorgen, dass das, was versprochen ist, auch gehalten wird. Denn Qualität ist und bleibt das beste Rezept." (FV WDV)

Links:
:: Sie können den Artikel auch im Ganzen lesen
:: der Artikel im Archiv der Berliner Zeitung
:: Zur Relation von WDVS und dem Endenergieverbrauch der Haushalte, 1990-2004
   bei richtigsanieren.de

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Sto AG verspricht 3,18 Mrd. l Einsparung an Heizöl in 2005

"Der Effekt von StoTherm Classic und seinen Schwestersystemen lässt sich eindrücklich beziffern: In den vier Dekaden seit den ersten Pilotprojekten haben die Fassadendämmsysteme der Sto AG den Heizölverbrauch um 35 Milliarden Liter reduziert, das entspricht einer Entlastung der Atmosphäre um 110 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Allein im laufenden Jahr 2005 kommt nochmals eine Einsparung von 10 Millionen Tonnen Kohlendioxid hinzu. Anschaulicher dargestellt: Um 35 Milliarden Liter Heizöl zu bewegen, sind 1,25 Millionen Tanklastzüge notwendig, die aneinandergereiht um die halbe Erde reichen würden."
Quelle: Geschäftsbericht 2004, Sto AG

3, 18 = 10/110 x 35. Anschaulicher dargestellt: wenn die 3,18 Mrd. l Heizöl eingespart wurden, sind in 2005 113.571 Tanklastzüge weniger gerollt. Arme Bahn. Aber es kommen noch ein paar eingesparte Tonnen CO2 dazu, weil ja die Tanklastzüge nicht fahren mussten. Alles wird gut.

DIMaGB, 02.08.2005


Caparol verspricht: bis zu 50% Heizkosten sparen!

Versprach der Sparefant aus Ober-Ramstadt in 2005 noch, 50% an Heizenergie einzusparen [ :: Rückblick ], so wird uns in 2006 gezeigt, dass Steigerungen durchaus drin sind. Neuerdings spart man bis zu 50% der Heizkosten. Offensichtlich ist es den Experten bei den DAW gelungen, mittels U-Wert die Preisbildung auf dem Weltmarkt zu beeinflussen.

Hier die einseitigen Werbeversprechen im Einzelnen:

"Ein fachgerecht angebrachtes Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) verhindert unnötigen Wärmeverlust und bedeutet gegenüber der einfachen Fassadenrenovierung einen Mehraufwand, der sich schon nach 5 – 6 Jahren amortisiert."

"Eine hochwertige Fassadendämmung schützt nicht nur die Bausubstanz, sondern rechnet sich langfristig durch eine Wertsteigerung Ihrer Immobilie."

U.a. wird versprochen, dass "das hochwertige Wärmedämm-Verbundsystem Capatect-WDVS "Besonderen Schutz gegen Pilz- und Algenbefall" biete.

DIMaGB, 28.11.2006

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Zahlenakrobatik beim FV WDV

#1
Zeitraum Mio. m² WDVS
2.Vj 2006 9,7
2.Vj 2000 10,6
inzwischen 660 Mio.

Das erste WDVS soll 1957 an einem Wohnhaus in Berlin angebracht worden sein.
Einen Wachstumsschub soll es in den Jahren 1973/74 gegeben haben, Ursache sei die Ölkrise gewesen.
Einen zweiten Wachstumsschub soll es 1977 gegeben haben, Ursache sei die WSVO gewesen.
Marktanteile: EPS ca. 85%, Mineralwolle 10-12%, Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen ca. 3%.

"In der Öffentlichkeit wächst das Bewusstsein, dass es zu einer fachgerechten Fassadendämmung mit WDVS keine Alternative gibt, soll die "zweite Miete" nicht zunehmend Renditen oder Einkommen schmälern."
Kommentar: Ist das wirklich so? Mehr dazu.

"Die Verbindung von ökonomischem und ökologischem Bauen bleibt das Ziel."
Kommentar: Das stimmt, das bleibt das Ziel. Aber eben nur das Ziel.

Quelle: Deutsches IngenieurBlatt, Heft 12, Dezember 2006, DiB Special Dämmtechnik, Seite 26

#2



Faksimile: Screenshot Ausschnitt vom 27.12.2006, Internetseite des FV WDV

Text: "Verlegte m2 WDV-Systeme: 490 Mio. m2 in Neu- und Altbau. Jährlich kommen 40 Mio m2 hinzu“
Kommentar: diese Zahlenangaben sind ohne Angabe des Standes; die angegebenen 490 Mio m² sind
aus 1999/2000, in 2005 waren es angeblich bereits über 600 Mio. m²

Kommentar: Stand 1999 auf der Homepage in 2006, das muss ein ganz raffinierter Marketing-Trick sein.

#3

2002: 30,8 Mio. m² verlegte WDV-Systeme (s.o.)
2003: 30,6 Mio. m²
2004: 32,0 Mio. m²

Quelle: Grafik des FV WDVS "Statistik Stand 12/04"
Text: "Wärmedämm-Verbundsysteme Marktentwicklung 1977-2004
630 Mio. m² verlegte WDV-Systeme belegen eindrucksvoll die Energieeinsparung"

#4

Zitat: "Besonders gutes Nutzen-/Kostenverhältnis; 46 Mio. m² verlegte WDV-Systeme alleine in 1996 belegen das eindrucksvoll"

Quelle: Buch: "Wärmedämmung: Bedarf wecken; praxisorientiertes Handwerksmarketing"
Stuttgart : Dt. Verl.-Anst., 1999, ISBN 3-421-03191-6, Seite 102

Fazit

Fasst man die Daten aus unterschiedlichen Quellen des FV WDV zusammen, ergibt sich folgendes Bild:



Grafik: DIMaGB, nach Daten des FV WDV

Dass jährlich 40 Mio. m² verarbeitete WDVS hinzu kommen, kann nur selektiv stimmen. Für den herausgegriffenen Zeitraum 1994-2004 trifft das zu. An der Grafik erkennt man sofort, dass der Jahresdurchschnitt nicht 40,0 betragen kann.

Die beiden Werte für 2005 und 2006 wurden gesetzt, um auf die in #1 angegebenen 660 Mio. m2 zu kommen. Wenn es in 2004 bereits 630 Mio. m² waren, kann die Differenz nur 30 Mio. m² betragen. Ein Wachstumsschub ist ab 1990 unverkennbar, ebenso der Wachstumsrückgang ab 1997.

Zitat:
"Die positiven Konjunktursignale der Bauwirtschaft und die erfreulichen Absatzzahlen bei WDVS kommen für die Branche zum richtigen Zeitpunkt." (FV WDV aus #1). Da hat er recht, der Fachverband. Die Absatzzahlen sind (noch) nicht geringer als vor 1990.

Zitat: „Mit seiner Öffentlichkeitsarbeit trägt der Fachverband zur Imageprofilierung und zur Absatzförderung von WDV-Systemen sowie zur Sensibilisierung des Themas „Heizkosten einsparen“ bei.“ (Internetseite des FV WDV)


Dipl.-Ing. Matthias G. Bumann
DIMaGB
27.12.2006

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Die Energiesparrente
"Wir müssen an die "Mäuse" der Leute kommen..."


Der Begriff "Energiesparrente" soll aufzeigen, welches Einsparpotenzial möglich ist und gleichzeitig bewusst machen, wie hoch die Rendite ist, wenn man in die Aktie Energiesparen investiert. 1.500 EUR und mehr pro Jahr sind in einem Zweifamilienhaus möglich, was einer monatlichen Energiesparrente von 125 EUR entspricht. Wir müssen an die "Mäuse" der Leute kommen - vor allem an die, die unrentabel mit 2% Zinsen auf den Sparkonten liegen. Einmal investiert, bringt die Energiesparrente Jahr für Jahr mindestens ca.10% Rendite.

Beispiel:
Ein Zweifamilienahus mit ca. 300 qm Wohnfläche
Heizkosten vorher:     3.500 EUR
Heizkosten nachher:  2.000 EUR
Einsparung jährlich:   1.500 EUR

aus: Klimaschutz mit Eigennutz - Die EnEV als Energiesparrente, FV WDV
Wärmeschutztag 2005 am 12. Mai 2005, Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V., München

Kommentar DIMaGB:

Endlich kommt es ans Licht: es geht ums Geld, der Fachverband muss an die Mäuse der Leute kommen. Danke für diese ehrlichen offenen Worte. Jetzt muss selbst dem größten Trottel ein Licht aufgehen, dass es nix is mit Uneigennützigkeit: der ganze Klima- und Energiesparklimbim dient nur einem Ziel: Eigennutz. In diesem Zusammenhang sei auf das schöne gute Buch "Wärmedämmung: Bedarf wecken ; praxisorientiertes Handwerksmarketing" (Dt. Verl.-Anst., 1999) verwiesen. Wer nun vermutet, Wärmedämmung habe mit Marketing zu tun und bei Marketing gehe  es um Umsatz - der liegt nicht ganz falsch.

Womit wir aber auch wieder auf das leidige Thema "einseitige Leistungsversprechen" zurück kommen müssen. Was wird hier dem deutschen Michel versprochen? 10% Rendite jedes Jahr und satte 1.500 Euro Einsparung Jahr für Jahr.

Bei einem 2Fam.-Haus spart man also 57% der Heizkosten - Respekt! Und das bei gerade mal 40% Anteil der Außenwände an der Wärme abgebenden Hüllfläche. Sensationell! Die Transmissionswärmeverluste der Außenwände werden nach uns propagandamäßig eingebläuter Lehre über den U-Wert bestimmt. Preisfrage: wie sehr muss man den U-Wert von 40% der Hüllfläche verbessern, um den Heizenergieverbrauch um 57% auf 43% herunter zu schrauben? Und was kostet das?

Aber was bedeuten 10% Rendite? Wer an sein Sparbuch mit <2% denkt, den befällt dabei sicher Trauer. 10% klingt da schon viel verlockender. Die Rendite einer Anlage misst den Rückzahlungsbetrag am Ende des Anlagezeitraums im Verhältnis zum Einzahlungsbetrag. Die Formel lautet: Rendite = ( Auszahlungsbetrag / Einzahlungsbetrag ) -1.

Die Rendite kann als Prozentwert (10 %) oder als Zahlenwert (0,1) angegeben werden. Um die Renditen unterschiedlicher Anlageformen mit unterschiedlich langen Anlagezeiträumen vergleichbar zu machen, werden sie in der Regel annualisiert, d. h. auf den Zeitraum eines Jahres bezogen (Annuitäten).

Geht es um eine Investition, dann ist die Rendite einer Investition das Verhältnis des Gewinns der Investition zum ursprünglich investierten Betrag. Die Formel lautet: Rendite = Gewinn / Investition. Der Anhang -1 entfällt hier, da sich der Gewinn der Investition vom oben erwähnten Auszahlungsbetrag genau um den investierten Betrag unterscheidet.

Man rechnet also: 10% = 1.500 / 15.000?
Demnächst mehr dazu.

DIMaGB, November 2005

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Nutzen-Kosten-Verhältnis von WDVS



Zitat: "Besonders gutes Nutzen-/Kostenverhältnis; 46 Mio. m² verlegte WDV-Systeme alleine in 1996 belegen das eindrucksvoll"

Quelle: Buch "Wärmedämmung: Bedarf wecken; praxisorientiertes Handwerksmarketing"
Stuttgart : Dt. Verl.-Anst., 1999, ISBN 3-421-03191-6, Seite 102

Kommentar:

Um eine Nutzenquantifizierung zu ermöglichen, versucht man in der kardinalen Nutzenmessung oft, den Nutzen durch Geldflüsse zu approximieren. Dabei stellt der Umsatz i. d. R. den Nutzen dar, der Gewinn den Nettonutzen. Mithin kann es dem Autor also nur um den Nutzen für die WDVS herstellenden und verarbeitenden Unternehmen gehen, den er im Erzielen von Umsatz und Gewinn sieht.

Würde es um den Bauherren bzw. Hauseigentümer gehen, wäre der Begriff Nutzen als das Maß für die Fähigkeit eines Gutes oder einer Gütergruppe zu definieren, die Bedürfnisse eines wirtschaftlichen Akteurs zu befriedigen. Das Gut ist das WDVS, der wirtschaftliche Akteur der Hauseigentümer und seine Bedürfnisse sollte man unter rationalen Aspekten darin vermuten, durch das Anbringen eines WDVS Heizenergie einzusparen.

Volkswirtschaftlich kann die Betrachtung auch nicht angestellt worden sein, denn dann ginge es um das Streben der Haushalte nach Nutzenmaximierung. Nach Paul Anthony Samuelson wird ein bestimmtes Güterbündel einem anderen vorgezogen, weil das präferierte Güterbündel einen höheren Nutzen stiftet (Entscheidungsnutzen).

Ist ergo bei WDVS der Nutzen an den Umsatzgrößen festzumachen?

DIMaGB
25.08.2006

siehe auch:
:: Zur Relation von WDVS und dem Endenergieverbrauch der Haushalte, 1990-2004
   bei richtigsanieren.de

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Quelle = Jahresbericht 2001 des Fachverbandes WDVS e.V., S. 42 ff.
Überschrift:
Marktstudie Wärmedämmverbundsysteme 2002

Auslöser war wohl, dass "die anfängliche Skepsis gegenüber Wärmedämm-Verbundsystemen trotz mehr als 500 Millionen Quadratmeter verlegter Fläche in den vergangenen 40 Jahren noch nicht ganz beseitigt" ist.

Zielstellung war:
1. "die positiven Aspekte eines WDVS ... anhand empirischer Untersuchungen" zu untermauern

  • "reduzierter Heizenergiebedarf"
  • "verbesserte Wohnbehaglichkeit"
  • "Erhöhung des Immobilienwertes"

2. "noch bestehende Vorurteile gegenüber WDVS, mit denen Verbraucher verunsichert werden (!) zu entkräften"

  • "vermehrter Algen- und Pilzbefall der Fassade durch WDVS"
  • "Schimmelbildung in der Wohnung"
  • "ungesundes Raumklima"

Steckbrief der Marktstudie:

  • Auftraggeber: FV WDVS e.V.
  • Institut für Absatzforschung und kundenorientiertes Marketing *) Anmerkung
  • bundesweite Marktuntersuchung
  • Auswahl aus 12.000 registrierten Objekten
  • Prinzip der geschichteten Zufallsauswahl ►600 WDVS-Objekte
  • Aufteilung der Grundgesamtheit in Untergruppen (Produktvarianten/Gebäudetypen)
  • Verteilung über die PLZ-Gebiete: 5% ... 27% je Bundesland
  • Verteilung nach Hausart: EFH 33%, MFH 41%, übrige 3% ... 8%
  • Verteilung nach Neubau/Bestand: 43% Neubau,, 57% Renovation
  • Verteilung nach Produktvarianten: ~35% Styro + mineral. Putz, ~25% sonstige Systeme
    ~17% Styro + Silikatputz, Miwo-Lamelle + Putzart ~7%, Miwo HD + Putzart ~6%,
    Styro + Kunstharzputz ~5,5%
  • analysierte Themenbereiche: optischer Eindruck, Wohnbehaglichkeit, handwerkl. Qualität

Ergebnisse:

  • "sehr detaillierte Ergebnisse" (zu haben auf CD-ROM für 120 €!)
  • mechanische Beschädigung: 2%
  • Algenbefall: 1%

Zitat zu den Ergebnissen:
"Ein sehr positives Ergebnis erbrachte die Studie bezüglich des aktuell in der Diskussion befindlichen Algen- und Pilzbefalls von WDVS-Fassaden. Von den rund 600 untersuchten WDVS-Fassaden konnte sichtbarer Algenbefall lediglich an einem Prozent der Objekte festgestellt werden.

Es handelte sich bei diesem Befall um Bauwerke, die erst oberhalb des Sockelbereiches gedämmt wurden. Untersucht wurden die Detailflächen mit der wissenschaftlich anerkannten Methode der Zehnfachlupe.

Diese geringe Quote von Algenbefall ist bei dem angewandten Auswahlverfahren als durchaus repräsentativ zu sehen. Inzwischen durchgeführte Befragungen bei den Mitgliedsfirmen des Fachverbandes WDVS ergaben ähnlich gelagerte Erfahrungswerte - je nach Mitglied lag die Schadensquote (Algenbefall) zwischen 0,2 und 1 % in Relation zur gedämmten Fläche. Aufgrund der geringen Anzahl von befallenen Objekten lassen sich keine regionalen Schwerpunkte bilden. Alle befallenen Objekte liegen jedoch in ländlichen Regionen bzw. in Städten < 10.000 Einwohner. Gleiches gilt auch für den Pilzbefall."

 Zusammenfassung:
- 600 Objekte von 12.000 Objekten von 50.000.000 qm
- die Befragung von Mitgliedsfirmen ergab ein ähnliches Ergebnis
- die Algenbefallsquote bei WDVS liegt nachweislich unter einem Prozent
  aller wärmegedämmten Gebäude (q.e.d.)
- der Markt wurde objektiv und fachlich fundiert über Wärmedämm-Verbundsysteme
  informiert

Vorschlag: die nächste Studie in Berlin durchführen, denn
1. keine ländliche Region
2. über 10.000 Einwohner
3. jede Menge  befallener WDV-Fassaden, die nicht quantifiziert sind

Zum Vergleich:
Quelle: 3. Bauschadensbericht
Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
DRITTER BERICHT über Schäden an Gebäuden, 1995

Suchbegriff: "Algen" Gesamtzahl der Fundstellen: 0

Suchbegriff: "Bestand"

Das Brutto-Bau-Anlagevermögen der alten Bundesrepublik beträgt 9.34 Bill. DM; ca. 56,6 % entfallen davon auf den Wohnungsbereich, ca. 10,9 % auf den staatlichen Bereich und ca. 32,3 % auf den gewerblichen Bereich. Daten für den Bereich der neuen Bundesländer lagen zum Zeitpunkt der Bearbeitung noch nicht vor.

Der Wohnungsbestand in Gesamtdeutschland beträgt ca. 34 Mio Einheiten. Hiervon befinden sich 54,4 % in Mehrfamilienhäusern, davon sind wiederum 29,7 % älter als 50 Jahre.

Hervorzuheben sind die Abweichungen in den neuen Bundesländern. Hier befinden sich mehr als 67 % der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, die zu 41,7 % aus der Zeit vor 1945 stammen.

*) Anmerkung: Vielleicht ist es nicht ganz bedeutungslos, ob personelle Verquickungen hierbei eine Rolle spielen. dies betrifft den FV WDV und das Institut für Absatzforschung und kundenorientiertes Marketing

DIMaGB.de
20.08.2005

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WDV: Wachstum (über)fordert
Eine Realsatire von der deutschen Dämmstoffindustrie

Unter der Überschrift "WACHSTUM FORDERT" berichtet der Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme e.V. *, über "einen echten Wachstumsschub" am WDVS-Markt "in Milliardenhöhe", der durch den rasanten Preisanstieg bei Heizöl, Gas und Strom und nicht zuletzt durch die staatlichen Zuschüsse für die energetische Sanierung der Bausubstanz bedingt würde. Weder für die Dämmstoffproduzenten noch für die Hersteller von WDV-Systemen wäre dieser Zuwachs planbar gewesen, weil "keiner von uns mit einer solchen Absatzsteigerung gerechnet" habe.

Dieses Dokument des Eingeständnisses der Unfähigkeit, einen langsam wieder erwachenden Markt können Sie auf der Internetseite der sto AG herunterladen: http://www.sto.de/evo/web/sto/25411_DE-Content_sto_de-Pdf-Stellungnahme-VVDV_Daemmlattensituation.htm.

Ganz anders klang das noch vor 3 Jahren. „Der Bau duldet keine Engpässe“ und „Wachstum braucht Kapazitäten“ erfuhr man da aus dem Geschäftsbericht der Sto AG. Über die weitsichtigen Prognosen des Unternehmens wird auf Seite 20 berichtet:

Auf Zukunft setzen. Der Markt von morgen wird geprägt sein von der gleichzeitigen Nachfrage nach individuellen Produktvarianten in kleinen Mengen und großen Volumina standardisierter Systemmaterialien. Mit der Fabrik 2003 ist die Sto AG bestens für diese Zukunft aufgestellt.“

und hinsichtlich der Leistungsversprechen schwang sich das Unternehmen zu der kühnen Zusage auf: „Nur 24 Stunden nach Auftragseingang verlassen Kleinmengen die Servicefabrik in Richtung Kunde – auch in der Hochsaison.“

An fehlender Marktbeobachtung und -prognose wird es also eher nicht gelegen haben, auch ist nicht anzunehmen, dass die sto AG das einzige Mitgliedsunternehmen im FV WDV ist, dass sich mit Überlegungen zur Marktentwicklung befasst. Schauen wir mal, was kundgetan wird:

„Zwangsläufig treten bei solch exorbitanten Steigerungen auch Engpässe auf. Sie, das verarbeitende Handwerk, spüren dies als letztes Glied in der Dämmachse derzeit wohl am meisten. Noch vor wenigen Monaten wurden Sie mit Angeboten und Lieferzeiten von „über Nacht“ im wahrsten Sinne des Wortes verwöhnt. Die Folge dieser Entwicklung war: keiner musste mehr disponieren. Material war ja da, zu jeder Zeit.“

Angesichts der zaghaften Zuwächse in der Baubranche von exorbitanten Steigerungen zu sprechen, geht etwas an der Sache vorbei. Natürlich ist es erfreulich, dass die Talfahrt langsam aufhört, aber exorbitant ist vielleicht etwas zu euphorisch in der Einschätzung.

Das im Oktober 2006 erschienene Gutachten der Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute gibt an, dass im Verlauf des ersten Halbjahrs die Bauinvestitionen mit einer Jahresrate von 3,1 % stiegen. Demnach wurden 2,5 % mehr neue Bauten errichtet als im Vorjahreszeitraum; dies ist der erste Zuwachs seit dem Jahr 2000.

Zudem dürfte selbst den Laien verwundern, dass die „exorbitanten“ Zuwachsraten ausgerechnet im 4. Quartal zum Problem werden sollen, wo doch diese Jahreszeit, wo es in den Winter hinein geht, von einer Intensivierung der Maßnahmen an Fassaden nun eben gerade nicht gekennzeichnet ist.

„Dieser fehlende Dispositionsnerv rächt sich nun in doppelter Weise durch drastisch lang empfundene Lieferzeiten. Obwohl sachlich und neutral betrachtet, sind die momentanen Lieferzeiten durchaus realistisch. Keiner von uns käme auf die Idee zu schimpfen, wenn er drei Monate auf ein Auto oder eine Einbauküche warten muss – wohl gemerkt nach der Bestellung.“

Hier staunt der Handwerker: die Lieferzeiten sind gar nicht länger als sonst, er empfindet sie nur drastisch lang. „Sachlich und neutral betrachtet“ wartet man z.B. in Berlin auf eine Lieferung an Flachdachdämmung zwei Monate (Bericht von Dachdeckermeister Jörg E.) - und das gab es noch nicht. Nun erfahren alle ganz real, wie es zu DDR-Zeiten war mit der Baustoffversorgung.

Der Vergleich mit der Bestellzeit eines Autos hinkt: die Autoindustrie hat noch nie getönt, dass man von heute auf morgen ein bestelltes Auto abholen könne. Auch bei Einbauküchen sind moderatere Lieferzeiten bekannt, als sie hier angegeben werden.

„Deshalb unsere Bitte an Sie: Zeigen Sie in Zukunft Verständnis, wenn nicht alle Dämmstoffe in jeder Stärke und Abmessung über Nacht lieferbar sind. Helfen Sie mit, durch Information über Ihre kommenden Bauvorhaben, uns die Planung zu erleichtern. Dämmstoffe müssen abgelagert sein. Nur so erhalten Sie die Qualität, die Sie erwarten.“

Vielleicht sollte man besser so formulieren: Zeigen Sie Verständnis, wenn die Industrie in solche Länder liefert, wo höhere Margen möglich sind. Damit ist nicht allein China gemeint, auch einige europäische Länder werden bevorzugt bedient. Das nennt man Marktwirtschaft. Ob durch Information über kommende Bauvorhaben daran etwas geändert werden kann, ist fraglich.

Neu für alle, die sich mit der Materie befassen, wird die Information sein, dass neben bestimmten Käse- und Schinkensorten nun auch Dämmstoffe zu den Produkten gehören, die erst mal besonders abgelagert werden. Dieses Element der systemgebundenen Qualitätssicherung ist neu, ein Ablagern nach dem Schäumen hat schon immer zum Produktionsprozess gehört und war noch nicht Ursache für Engpässe.

„Glauben Sie uns, keines unserer Mitgliedsfirmen ist mit der derzeitigen Liefersituation zufrieden. Aber darüber zu schimpfen, bringt uns nicht weiter. Nehmen wir gemeinsam den Druck und die Hektik aus dem derzeitigen Markt und bündeln unsere Kraft für weiteres Wachstum im Sinne von Energieeinsparung und Umweltschutz.“

Die hier formulierte Denkaufgabe stellt eine echte Herausforderung dar: Wie bündelt man Kraft für weiteres Wachstum, wenn die Liefersituation katastrophal ist? Dazu ein Zitat: "Darüber hinaus haben wir dafür zu sorgen, dass das, was versprochen ist, auch gehalten wird. Denn Qualität ist und bleibt das beste Rezept."

Recht so, unklar ist nur, ob auch Versorgungsqualität gemeint ist. Alternativ lassen sich Versprechen natürlich auch abändern, umso leichter fällt dann die Einhaltung.

Dipl.-Ing. Matthias G. Bumann
DIMaGB
01.12.2006

 * von der Internestseite des FV WDV:

„Der Fachverband repräsentiert angesehene und verantwortungsbewusste Unternehmen, auf die zusammen ca. 90 % des bundesdeutschen Absatzes an WDV-Systemen entfallen.“

„Mit seiner Öffentlichkeitsarbeit trägt der Fachverband zur Imageprofilierung und zur Absatzförderung von WDV-Systemen sowie zur Sensibilisierung des Themas „Heizkosten einsparen“ bei.“

„Verlegte m2 WDV-Systeme: 490 Mio. m2 in Neu- und Altbau. Jährlich kommen 40 Mio m2 hinzu“ (diese Zahlenangaben sind ohne Angabe des Standes; die angegebenen 490 Mio m² sind aus Anfang 1999, in 2005 waren es bereits über 700 Mio. m², M.B.)
 

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Das Nonplusultra in Sachen Wärmedämmung / die Dämmsation


Die Fa. Weber-Broutin bewirbt in 2007 das Produkt weber.therm plus ultra, eine Wärmedämmung auf der Basis von Resol-Hartschaum * mit einem „Weltklasse-Wärmeleitwert 0,022 W/mK“, „dessen geschlossene Zellstruktur für Wärme und Kälte nahezu undurchdringlich ist“.

Was umsichtige Planer und Bauherren besonders erfreuen wird: „Die üblichen Umbaukosten für die Anpassung von Dachüberständen und diversen Detailanschlüssen sind gering bzw. entfallen komplett. Auch die Fensterlaibungen bleiben schlank.“

Als nahezu revolutionär anzusehen sind „eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer des Systems“ *** sowie ein nunmehr ermöglichter „nachhaltiger Fassadenschutz“. ****

Die frohe Botschaft begegnete dem erstaunten Leser als Pressemitteilung in der zweiten Aprilhälfte, inzwischen erschien sie auch im HBO Journal Architekten und Planer, September 2007. Wie es so ist, frohe und gut gemeinte Botschaften werfen Fragen auf. Hier ein paar Gedanken zum Weiterdenken.


* Phenol-Formaldehydharz (Synonym: Bakelit), Phenolharz: Kunstharz, das man durch die Synthese von Phenolen mit Aldehyden erhält (Vorkondensat), Resole: mit basischem Kondensationsmittel bilden sich aus dem Vorkondensat zähflüssige Harze mit niedriger Molekülmasse

** auch Styropor (1950 bei der BASF erfunden) wird uns als geschlossenzelliger Dämmstoff offeriert; geschlossenzellig bedeutet, die Wände der Zellen (Poren vom Vorschäumen und Expandieren) besitzen in der Regel keine Öffnungen zu den Nachbarzellen

*** Eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer des Systems wäre insbesondere unter ökologischen Aspekten bedeutsam. Die Ökobilanz hierfür dürfte sensationell ausfallen. Leider hat die Sache einen Haken: „das System“ ist ein WDVS, also ein Wärme-Dämm-Verbund-System, dessen Oberputz der Witterung ausgesetzt ist und der daher unter Hitze, Kälte und UV-Einstrahlung leidet.

Wer sich Sorgen um die Verständlichkeit des Begriffs „nahezu unbegrenzt“ im Zusammenhang mit der Lebensdauer macht, kann beruhigt sein; er wird in der Bauherren-Broschüre aufgeklärt: „Strenge Qualitätsauflagen bei der Fertigung garantieren eine lange Lebensdauer und Funktion der Dämmplatten. Familie Schmidt muss sich daher in den nächsten dreißig Jahren um die optimale Dämmung ihrer Hausfassade keine Sorgen mehr machen.“

**** nachhaltig: Nachhaltigkeit. Der Begriff stammt aus der Forstwirtschaft, er wird auf eine Publikation von Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713 zurückgeführt, in der er von der „nachhaltenden Nutzung“ der Wälder schrieb.

"Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben." (Rat für nachhaltige Entwicklung)

„Regenerierbare lebende Ressourcen dürfen nur in dem Maße genutzt werden, wie Bestände natürlich nachwachsen.“ (Konrad Ott, 1999)

„Die Gemeinsamkeit aller Nachhaltigkeitsdefinitionen ist der Erhalt eines Systems bzw. bestimmter Charakteristika eines Systems, sei es die Produktionskapazität des sozialen Systems oder des lebenserhaltenden ökologischen Systems. Es soll also immer etwas bewahrt werden zum Wohl der zukünftigen Generationen.“ (Bernd Klauer, 1999)

"Nachhaltigkeit (engl. Sustainability): allgemein Dauerhaftigkeit, langfristig stabil, weil ohne Überlastung, unter Schonung der Ressourcen und im Einklang mit dem Umfeld / der Umwelt betrieben." (Online-Verwaltungslexikon)

Bedeutet "nachhaltiger Fassadenschutz" gar, dass man auf Fungizide und Algizide verzichten kann? Von diesen Pestiziden werden immerhin Jahr für Jahr rd. 5.000 t von den Fassaden ausgewaschen.

DIMaGB
05.11.2007

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EXPERTENFORUM AUF DEM „TAG DES BACKSTEINS“
Durch Fortschrittsgläubigkeit in die Sackgasse gedämmt

„Dämmen wir uns in die Sackgasse?“ Diese Frage stand beim „Tag des Backsteins" in Hildesheim und Westerstede, zu dem die Olfry-Ziegelwerke in Vechta eingeladen hatten, im Mittelpunkt. Rund 400 Architekten, Bauunternehmer und Bauträger aus Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt folgten der Einladung.

Für Prof. Dr. Claus Meier aus Nürnberg und seinen Kollegen Prof. Jens Fehrenberg, der an der Universität Hildesheim Bauökologie lehrt, geht der Weg direkt in die Sackgasse. „Ich habe den Bundeskanzler bereits schriftlich aufgefordert, genau wie bei der BSE-Problematik auch bezüglich der Wärmedämmung endlich Verbraucherschutzinteressen zu berücksichtigen", sagt Architekt Claus Meier. „Vermutlich müssen aber erst ähnliche Katastrophen eintreten wie bei BSE, bevor die Politik reagiert“, befürchtet er.

Meier kritisiert die Art und Weise, wie mit bestimmten Berechnungen Schindluder getrieben wird und Bauherren ihre Häuser aus Unerfahrenheit sinnlos dämmen. „Sie investieren viel Geld in ein Verfahren, das ihnen am Ende weder ökonomische noch ökologische Vorteile bringt“. Für diese Entwicklung macht er die Dämmstoffindustrie verantwortlich, die ihre Materialien unbedingt verkaufen will und dementsprechend in der Öffentlichkeit wirbt. Selbst die verantwortlichen Politiker in Berlin sind laut Claus Meier nicht in der Lage, sich gegen die „pseudowissenschaftliche Hochstapelei“ zur Wehr zu setzen und unterschreiben nach wie vor Energieeinsparverordnungen, die lediglich der Dämmstofflobby dienen.

„Wissen ist entscheidend und nicht Meinung", sagt Claus Meier und verweist auf den Direktor des Max-Planck Instituts, Hubert Markl. Der hat den Satz formuliert: „Die Lüge und der Betrug sind integraler Bestandteil des Forschens." „Die Wissenschaft wird zunehmend pervertiert“ fügt Claus Meier noch hinzu. „Je nachdem, von wem die Forschungsaufträge stammen, fallen auch die Ergebnisse aus. Der Verlierer ist grundsätzlich der Verbraucher.“

„Dabei bauen wir für die Menschen und nicht für die Gesetze“ stellt Jens Fehrenberg klar. „Mittlerweile versperren die Dämmstoffe aber den Blick fürs Wesentliche“, sagt er weiter und meint damit den ethischen Grundsatz, dass sich Menschen in ihren vier Wänden genauso wohl fühlen müssen wie in ihrer eigenen Haut. „Wir Baumenschen sind für die Gesundheit der Menschen verantwortlich. Immerhin verbringen wir rund 90 Prozent unserer Lebenszeit in Gebäuden.

Laut Fehrenberg sind wir in den vergangenen Jahren den falschen Propheten nachgelaufen und haben schon viel zu viele krankmachende Häuser gebaut. „Rund 22.000 verschiedene Chemikalien kommen im gesamten Baubereich zum Einsatz. Alle denkbaren Reaktionsmöglichkeiten untereinander sind da völlig unberücksichtigt“, skizziert er die scheinbar moderne Entwicklung rund um den Bau. So mancher Bauherr ahne nicht, welche Zeitbombe da schlummere. Zumal nirgends Warnhinweise angebracht seien.

Der Bauökologe kritisiert die ausgeprägte Fortschrittsgläubigkeit. „Unsere Vorfahren waren keineswegs dümmer als wir", hält er dagegen. „Sie haben in Jahrtausenden ausprobiert, was dem Menschen bekommt“. Deshalb plädiert er dafür, wieder auf Bewährtes zurückzugreifen. Dazu gehört beispielsweise Sonnenenergie, die mit Hilfe natürlicher Baustoffe wie Klinker in Strahlungswärme umgesetzt wird. „Durch massive Wände kann Solarenergie nutzbringend eingespeichert werden und beeinflusst Raumklima und somit Gesundheit positiv", sagt er.

Die zum Teil bis zu 45 Zentimeter dicken Wärmedämmungen dichten buchstäblich alles ab und verhindern jegliche Form der Luftzirkulation, was im schlimmsten Fall bei den Bewohnern zu Krankheiten führt. Fehrenberg hat als Sachverständiger regelmäßig mit solchen Fällen zu tun. „Negative Umwelteinflüsse wie beispielsweise Chemikalien gehen dem Menschen buchstäblich unter die Haut", macht er deutlich. „Der menschliche Organismus verlangt nach Baustoffen, die er seit Jahrtausenden kennt. Über die Mineralfaser, die als Dämmschicht dient, existieren noch keine Langzeitforschungen. Niemand weiß also, wie sie auf den Organismus wirken und ob sie nicht vielleicht krank machen", warnt er und ist sich deshalb genau wie Claus Meier sicher, „dass wir uns bereits in die Sackgasse gedämmt haben“.

Quelle: Töne und Trends, Informationen aus der Ziegelindustrie
Ausgabe 18, Juni 2001, Aussender: Olfry

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